Der @herrgott ist hoch erfreut.


Gebundenes Hardcover, coloriert und illustriert: "DER VIROLOGISCHE MAGNET"

Mittwoch, 20. August 2014

Nevermind - heilige Kühe und der eigene Geschmack

Ist richtig. Es gibt ein paar heilige Kühe über deren Existenz zu streiten sinnlos wäre.

Eine davon, die mich seit nunmehr 20 Jahren sabbernd verfolgt, ist der musikkulturelle Mythos "meiner Generation", wie es so schön heißt, "Nevermind" von Nirvana. Und über den muss ich mich nun dennoch einfach einmal streiten.

Seit Ewigkeiten muss ich alle Jahre wieder in den unterschiedlichsten Musikgazetten von den 50 oder 100 Platten für die Ewigkeit lesen. Musikjournalisten erzählen mir also beständig, welche Platten die größte Relevanz in der Musikgeschichte einnehmen, und setzen das spannenderweise direkt gleich mit dem Empfinden, der Einstellung, welche eine ganze Generation zu gewissen Platten haben soll. Also auch ich.

Bekloppt. Nur weil ich in einem Jahr geboren und in einem anderen musikalisch sozialisiert wurde, soll ich eine formatierte Meinung einnehmen, ja gleichgeschaltete Gefühle zur Musik, einer der subjektivsten Formen der Kunst überhaupt empfinden?

Ja. Ich gehöre natürlich zu denen, die genau wissen, wann und wo sie "Smells like teen spirit" zum ersten mal gehört haben. Ja. Ich war damals geflasht von dem Song und dem auf der Stelle erworbenen Album. Ja. Ich weiß um die musikhistorische Bedeutung dieses Albums und erkenne sie uneingeschränkt an. Aber da hört es dann auch schon auf mit Plattitüden und Gemeinsamkeiten mit dem steten Jubel über diese Aufnahmen. 

Zum einen weiß ich um sehr viele Alben vor "Nevermind", die musikalisch genau diese umstürzlerische Wirkung hätten erzielen, diesen Status damit erreichen und anstelle von Nirvana ihren Schöpfer hätten groß machen können, wenn sie einen Wirkungsfrontmann wie Kurt gehabt hätten. Zum anderen gab es "damals" rein musikalisch mannigfaltige Bewegungen, die dem Glamrock, dem Hairmetal, dem Classicrock und anderen gekünstelten Musikrichtungen schon längst den Kampf angesagt, und den Rang abgelaufen hatten. Nur waren die Protagonisten der besagten Bands zugegebenermaßen nicht wirklich tauglich für die präinternetären popkulturellen Presseerzeugnisse. Die Zeit war perfekt für einen von Selbstzweifeln geplagten jungen Mann, der in seinem Flanellhemd doch soviel ehrlicher daher kam, als die geschminkten Westküstenposer mit ihren wasserstoffblonden Königspudeldauerwellen.



Dummerweise kannte ich das grundsätzliche Prinzip bereits von Herrn Morrisson oder Herrn Lynott. Beide endeten tragisch und so war auch Cobains Tod absehbar. Und wie immer trug er zur Vollendung des Mythos auf traurige Art bei. 

Um es noch einmal klar zu stellen: ich mag und schätze "Nevermind" als wirklich tolle Platte, die einer Menge großartiger Musik das Tor in den Mainstream weit aufgestoßen hat. Ohne Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden, wären die 90er im Formatradio vermutlich wesentlich rockärmer verlaufen. Ich habe nur eben eine Vielzahl anderer Platten, die ich in einem persönlichen Ranking definitiv vor diese eine schieben muss. Mein Leben hat diese Scheibe trotz all ihrer kleinen Perlen eben nicht verändert. Ist ja sehr persönlich. Spannend ist nun, dass ich alleine für diese Aussage im Freundeskreis immer angesehen werde, als hätte ich auf dem Altar gerade Jesus verraten. Ähnlich ergeht es mir, wenn ich - bekennender Dave Grohl-Fan - sage, dass das Beste, das Dave Grohl künstlerisch passieren konnte, das - leider tragische - Ende von Nirvana war. 

Da fragt man sich halt schon, warum man derart angefeindet wird. Tocotronic sangen nur wenige Jahre nach "Nevermind" das schöne Lied "Es ist einfach Rockmusik". Und selten war ein Lied ehrlicher. Es war und es ist einfach Rockmusik. Klar, für mich persönlich bedeutet Musik, speziell die Rockmusik in all ihren, oftmals bis in die totale Spießigkeit konkurrierenden Spielarten hinein, alles. Ich kann aber unglaublich gut damit leben, dass es anderen schlicht egal ist. Denn genau das ist mir egal. 

Mich bereichert, was mich erbaut, nicht was andere goutieren. 

Und so ist es mit "Nevermind". Ich mag es sehr, wenn ich einen Song davon zufällig höre, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich die CD zuletzt aufgelegt habe. Das Fazit kann hier also eigentlich nur sein, dass jeder seine eigenen Platten für die Ewigkeit im Herzen trägt. Oder eben nicht. Das Wundervolle daran ist, es ist egal für alle anderen, aber es ist die Welt für Dich. Ich denke, Kurt würde mir hier zustimmen.

In diesem Sinne, auf Dich!


Samstag, 16. August 2014

Parallelwelten und die Menschen die sich vergessen haben

Vermutlich ist er es mal wieder.
Der Zeitgeist. Und er hat sich wieder einmal neu erfunden.

Derzeit plagt er uns alle mit der Tatsache, dass wir - jeder für sich - unzählige Leben parallel führen und der dazu gehörenden Überzeugung, dass man sich und seine Persönlichkeit in jeder einzelnen dieser von uns belebten Mikroversen bitte schön adäquat zu seinem Umfeld zu gestalten hat. Denn schließlich herrscht in jeder Miniwelt auch eine andere Erwartungshaltung dem einzelnen gegenüber vor. Und die muss ja nicht zwangsläufig mit dem übereinstimmen, was wir sind, sein wollen oder auch sein können.

Fakt ist, der moderne Mensch soll irre individuell sein, sich durch Persönlichkeit und Eigenständigkeit glänzend von der Masse abheben. Rebellisch und erfindungsreich. Zugleich soll er aber auch verlässlich und in einer Weise konform sein, dass er sich sozialverträglich in jedes System integrieren lässt. Der kreative Beamte, der anarchische Lemming, ein malender Boxer, der handwerklich begabte Philosoph. Einer, der hilft, wenn es brennt, der aber gleichzeitig den Funken in sich trägt, um den Brand auszulösen. Der Zeitgeist möchte das so.

Da ist der Mann der in seiner Partnerin natürlich die perfekte Hausfrau mit Hang zur romantischen Gemütlichkeit vorfinden möchte, wenn sie dafür nach dem täglichen Besuch im Fitness-Studio im Bett aber auch tabulos abgeht, wie Schmitt`s vervampte Katze und nebenher natürlich im Beruf erfolgreich ist, aber bitte nicht zu selbstbewusst oder gar in einer Führungsposition. Der perfekte Mann hingegen sollte letzteres für die moderne Frau natürlich schon sein und durch seine unersetzliche Arbeit folgerichtig auch ausreichend begütert, ein heißer, männlicher aber einfühlsamer Liebhaber, der jedoch auch - emotional begabt - die Kinder ins Bett bringt, unaufgefordert den Müll rausbringt und selbstverständlich den Garten pflegt, so wie sich selbst. Jeder Chef möchte selbstständig denkende Mitarbeiter mit enormer Sozialkompetenz und Durchsetzungsvermögen, außer wenn es um die eigenen Anweisungen geht, wohingegen der perfekte Chef aus Sicht der Angestellten eigentlich eher unsichtbar gewünscht wird, dazu allerdings natürlich die Begabung einer intelligenten Unternehmensführung mitbringen sollte mit der nötigen Dominanz gegenüber konkurrierenden Firmen.

Das könnte ewig so weitergehen. Es gibt nicht nur viele Parallelgesellschaften - es gibt derer unzählige! Verbinden wir mit diesem Begriff im Normalfall doch eigentlich stets das Thema Migration und den oftmals mangelnden Willen zur Integration, steckt für jeden von uns weitaus mehr dahinter. Leben wir doch tagtäglich, oft sogar gleichzeitig in verschiedenen Gesellschaften. Und das zum einen qua unserer sozialen Position, aber auch selbst gewählt.

Sportverein, Partei, Familie, Freunde, Firma, Clubs, Ehrenamt, Verkehrsteilnehmer, undundund. Diese Liste ist endlos fortzuführen, auch wenn sie von einem zum anderen latent divergiert.  

Und jede dieser Welten, die wir uns ausgesucht haben oder die uns ausgesucht hat oder mit der wir schlicht verbunden sind, hat eine ganz bestimmte Erwartungshaltung an uns. Eine Vorstellung, wie wir zu sein und uns zu benehmen haben. Diese Vorstellung ist mitunter durchaus einengend für das eigene Selbstverständnis, wie man denn sein möchte, wie man denn sein muss, um sich wohl zu fühlen in seiner Haut.

Das soll an dieser Stelle überhaupt kein Gejammer über diesen Umstand sein. Ich versuche nur mir selber zu erklären, warum ich gerade in den letzten Jahren immer mehr Menschen kenne, die diese Erwartungshaltungen nicht mehr erfüllen können, obwohl sie wollen. Warum sich die Depressionserkrankungen derart häufen, auch und gerade bei Menschen, die bisher gar nicht unbedingt klassisch depressiv waren.

Egal um welchen Bereich es geht. Der Chef erwartet von einem einzelnen Charakter ein anderes Verhalten, als der Partner, die Kinder, die Eltern, die Freunde, die Kumpels, die Kollegen, die Mannschaftskameraden, die .... aber dazu wird natürlich wie selbstverständlich noch der Anspruch gepackt, dass man sich nicht verbiegen lassen, dass man ganz man selber sein soll.

Klar gibt es diejenigen, die das mühelos schaffen. Die Mr. Cobains "Come as you are" eingeatmet und dazu noch das Glück haben, auf ein Umfeld zu treffen, das es ähnlich sieht. Ein Umfeld, dass ihn oder sie akzeptiert wie er oder sie wirklich ist. Aber es gibt eben auch jene, die sich so sehr verbiegen, um allem und jeden gerecht werden zu können - sei es aus persönlichen, familiären, psychischen, wirtschaftlichen oder sonst welchen Gründen - dass von ihnen selbst am Ende des Tages nicht mehr sehr viel oder gleich gar nichts mehr übrig ist. Die sich so sehr damit verausgaben, aufzehren, von der einer Rolle in dem einem Mikrokosmos in die nächste Rolle des nächsten Mikrokosmosses zu schlüpfen, dass sie vielleicht sogar vergessen haben, wie sie im Grunde selber sind und wer sie sind. Menschen die sich vergessen haben.

Wenn es soweit gekommen ist, ist es bereits zu spät. Dann hat er wieder gewonnen, der Zeitgeist. Aber ab und an, erkennen wir ihn ja auch rechtzeitig. Und ich meine, es ist dann an der Zeit zu sagen:
Fick Dich Zeitgeist!

Ändern kann das im Grunde eh nur jeder selber, aber vielleicht achten wir einfach mal ein wenig aufeinander und legen nur die Erwartungshaltung an andere Menschen an, die wir selber auch u erfüllen bereit sind. Vielleicht aber auch einfach etwas weniger als das. Nicht jeder kann das gleiche leisten. Und viele von denen, die das Gefühl haben, nicht mehr alles leisten zu können, steigen einfach aus.

Und mir persönlich steigen einfach gerade zu viele aus.







Samstag, 9. August 2014

Ich brauche keine Angst, ich habe Ustinov

Ich schrieb einmal vor über zwei Jahren auf diesem Blog den kurz gehaltenen Text "Ich habe nie wieder Angst!"

Es ging um eine moralische Innensicht und eine ganz persönliche Antwort auf die Frage, in wie weit man sich von äußeren Einflüssen das eigene Leben und Wohlbefinden durch künstlich eingeredete Angst versauen lässt. Die Antwort war damals so knapp wie klar und gipfelte in dem Satz: "Aber ich, ich habe nie wieder Angst!"

Nun bin ich von Natur aus leider ebenso wenig ein komplett angstfreier Mensch, wie jeder andere unter Euch auch. Aber mich persönlich beruhigt eine Art geistiges Mantra, welches mir - praktischerweise ohne es beständig aufsagen zu müssen, um es zu glauben - einmal zurecht gelegt, den unglaublich beruhigenden Dienst erweist, beinahe auf ewig zu wirken. 

Die Sache ist im Grunde ja auch glasklar. Was soll mir schon den Tag versauen können, wenn ich es erst gar nicht an mich heran kommen lasse, bzw. wenn ich dem jeweiligen Thema gegenüber eine Position einnehme und diese auch mit Verve vertrete, die in sich fest und wenig wankelmütig ist. Das alte Credo von Peter Ustinov, der meine Lieblingsdefinition eines Optimisten aus dem Ärmel schüttelte mit dem Satz: "Ein Optimist ist jemand, der genau weiß, wie traurig die Welt sein kann, während ein Pessimist täglich neu zu dieser Erkenntnis gelangt."

Nun pflege ich des morgens als allererstes einen nachrichtenlastigen Radiosender einzuschalten, um mich jenseits von Twitter mit einem gewissen Grundwissen all dessen zu versorgen, was sich auf der Welt aktuell zuträgt, und - genau das ist vielleicht der wenig zugegebene aber doch relevante Aspekt - was davon mich in meiner heilen, gepflegten, hermetisch luxuriösen Welt in irgendeiner Weise betreffen könnte.

Bezogen auf meinen Blog und meine Haltung von 2012 kann ich natürlich ganz sicher sagen, dass ich keine Angst vor den Herren (ja, es sind ausnahmslos Herren) Wladimir Putin, Petro Poroschenko oder Barrack Obama, Baschar al-Assad oder Dschawad al-Maliki oder auch Abu Bakr al-Baghdadi, Benjamin Netanjahu oder Mahmud Abbas habe. Der eine mehr, der andere weniger, sind sie doch allesamt aus genau dem menschlichen Holz geschnitzt, das Macht als oberste Direktive, Kontrolle über andere Menschen als erstrebenswert, wahrscheinlich sogar staatstragend ansieht und nicht davor zurück schreckt, Schicksale, Menschenleben zu opfern, wenn es denn der eigenen Sache dient. Und diese eigene Sache, ist so was von unübertroffen subjektiv definiert, dass man - ohne selber betroffen zu sein zu müssen - in hohem Bogen kotzen möchte.

Angst ist hier aber auch nicht der zentrale Punkt. Wer vor diesen Leuten wirklich und im Wortsinne Angst hat, hat ein ganz anderes Problem (Hätten Sie etwas Angst gehabt, nachts in einer kleinen Gasse Hitler alleine zu begegnen?). Aber - und das ist der Punkt, der mir Sorgen bereitet - diese Menschen, diese An-"Führer" (und hier kann man durchaus einmal ganz bewusst und provokant auf jeden einzelnen der hier genannten das urdeutsche Wort "Führer" anwenden), haben einen derartigen Einfluss, eine derartige Wirkung auf andere Menschen, auf Gruppierungen, auf ganze Bewegungen, die sich dank des menschlichen Strebens nach Gemeinschaft sogar unabhängig von geopolitischen Gebieten überall auf der Welt ausbreiten können, wie ein Geschwür, wie eine Epidemie, dass es einem denkenden, freiheitsliebenden Menschen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Nicht die Angst wohlgemerkt. Den Zorn! 

Ich weiß, die Steinzeit-Terroristen der IS, formerly known as ISIS, möchten natürlich nur all zu gerne (das ist ja schließlich der Urwunsch jedes herkömmlichen Terroristen), dass man unbändige Angst hat vor Ihnen und Ihren Greueltaten. Und derer haben sie in der Tat in arg kurzer Zeit bis heute derartig viele verbrochen, dass man ihnen geradezu wünschen würde, dass es ihren Gott, in dessen Namen Sie morden, vergewaltigen, sich Aufführen wie die letzten Herrenmenschen, das es diesen Gott wirklich gäbe, denn dann hätten sie in der Tat wenig zu lachen, wenn die Abrechnung käme. Im Grunde - gerade für einen Atheisten - ein sehr schöner, tröstlicher Gedanke.   

Obama und Putin möchten - arg menschlich - jeder auf ihre eigene Art, geliebt werden - gerade letzter könnte ruhig mal einen Freudianer zu Rate ziehen. Assad hat es erst gar nicht anders gelernt, Erdogan ist ein tumber Narziss erster Kajüte, der Freiheit jenseits seines väterlichen Gustos für ein Sakrileg hält, die religiöse Fraktion der Anführer erfreut sich stets an massenverblendeter Meinung, dass Sie dem Propheten das Wort reden und ihm posthum und im Namen Allah, pardon aller, zum "Recht" verhelfen, obwohl sie im Grunde doch auch nur ganz oben auf dem Misthaufen mit dem Fähnlein winken wollen. Jeder hat so sein kleines Grundproblem, welches ihn gewiss um den Schlaf aber auch durch den Tag bringt.

Irgendwie möchten alle, dass man sie versteht, dass man Respekt, ja oft genug in der Tat gar Angst vor Ihnen hat - beides verwechseln sie ohnehin ständig. Angst und Respekt. Ich habe vor sehr vielen Menschen Respekt, aber nur vor sehr wenigen Angst.

Und während ich angesichts der Horrormeldungen aus aller Welt - und machen wir uns da mal nichts vor, es ist gerade überproportional heftig und alarmierend - allmorgendlich also bereits im Bad dem Trübsinn verfallen möchte, schleicht sich immer wieder dieser Yoda gleiche alte Mann in mein Gedächtnis. Es ist, als wohnte er in meinem Blutkreislauf. Und wenn es so ist - er darf mietfrei bleiben auf alle Zeiten. Er lächelt, aber nicht provozierend sondern gütig. Weise. Einfach freundlich. Aber mit einem ziemlichen Schalk im Nacken.

Dieser Mann besitzt sogar 10 Jahre nach seinem weltlichen Ableben eine natürliche Autorität, die jede Angst im Keim erstickt. Ein Umstand, den unsere Titelantihelden in diesem Blog gar nicht erst verstehen würden. Autorität ohne Angst? Eine imperative Sympathität? Tja, meine Herren, merken Sie etwas? Sie haben jetzt schon verloren. Und stellt man sich diesen Meister Peter leiblich an seiner Seite vor, ist es, als wenn beständig jemand neben Dir steht und dem übelsten Menschenschinder unbewaffnet aber furchteinflößend ins Gesicht lächelt und fragt "Na und? Geht`s Dir jetzt besser? Hast Du`s allen gezeigt?"

Das Geile ist: es geht hier gar nicht mehr um Angst, denn ich bin gar nicht unbewaffnet, selbst wenn ich nackt vor Euch stehe. Es geht hier um Gelassenheit, um Humor - ja, scheiße noch eins, es geht hier sogar darum zu lächeln. Aber vor allem geht es schlicht und einfach darum, andere Menschen sein zu lassen, wie sie sind. Und nicht, wie Ihr sie haben möchtet. Glaubt doch einfach was Ihr wollt, aber lasst uns - uns alle, alle, alle - damit ein für alle mal in Ruhe.

Und so, liebe Fanatiker, liebe Extremisten, liebe Führernachläufer, liebe Fremddenkenlasser, liebe IchhabeselberkeineIdeenaberichmöchteeinemFührernachhechelns, stehen wir abermals da - Angesicht zu Angesicht. Ihr glaubt an die Angst, die Ihr schürt - ich glaube, genau diese Angst tritt Euch am Ende ganz gewaltig in den Arsch.

Beide haben wir unseren Glauben, der eine hat einen erfundenen, der andere einen gefühlten. Sucht Euch aus, wer von uns was sein soll.

Möglich dass man es Waffengleichheit nennen kann.
Ihr habt Euren Hass, ich habe Ustinov im Herzen.


Samstag, 2. August 2014

Wie äußere Ruhe die innere ermöglicht

Ich möchte nicht all zu esoterisch wirken, aber hey, ich bin nun seit 10 Tagen ohne WLAN, ja sogar gänzlich ohne permanente Funkverbindung zur digitalen Außenwelt. Das bedeutet 10 Tage ohne multimediales Dauerfeuer.
Um 7 Uhr beginnt die Melkmaschine zu surren, um 8 kommt der Bäcker, um 10 kommt der Milchtankwagen, um 12 bimmelt eine beruhigend enervierende Glocke auf der bäuerlichen Minikapelle zum Mittag und um 18 Uhr surrt erneut die Melkmaschine. Ansonsten breitet sich Ruhe aus, die durch das Muhen der Kühe und ihr rauzungiges Grasgerupfe nur noch unterstützt wird.
Es ist nicht so, dass ich im Alltag sonderlich urban wohnen würde. Kein Straßenverkehr weckt mich des morgens auf und auch sonst residiere ich sehr beschaulich. Dennoch merkt man nun hier, in der absolut funklosen Idylle, in der nicht einmal die NSA einen orten könnte, dass das ansonsten durch den Tag begleitende Smartphone nur noch ein Fotoapparat ist und das Tablet remutiert zur Schreibmaschine.
Nicht, dass ich nicht nach wie vor twittersüchtig wäre, nicht, dass ich mein ausgeprägtes digitales Leben plötzlich untragbar fände - ansonsten würde ich auch gerade gewiss keinen Blog darüber schreiben (den ich natürlich erst später irgendwo werde posten können) - aber ich kann nicht ruhigen Herzens verleugnen, dass das Wissen darum, gar nicht erst die Möglichkeit zur digitalen Aktion zu haben, einen enormen Beitrag zur inneren Ruhe leistet.
Vielleicht kann ich sie nun ein wenig besser verstehen, sie, die sie sich bei Twitter eine Pause verordnen, oder jene, die bewusst Ihr Handy am Wochenende ausschalten. Oder diejenigen, die die Terrorapp Whatsapp von ihrem Endgerät löschen. Letzteres ist allerdings auch kaum ein Verlust. Und plötzlich kommt mir die Erinnerung an die Zeit, als es meine Angewohnheit war, am Wochenende nicht zu twittern, so wie ich es heute mit Facebook halte. Aber auch das ist, ähnlich wie Whatsapp, auch nicht sonderlich schwer, da nicht sonderlich wichtig für mich.
Nicht dass das alles eine sonderlich neue Erkenntnis für mich oder sonst wen wäre, aber es ist ein neues Gefühl. Für mich. Und ich denke, ich lerne gerade eine Menge aus diesem Gefühl.

Dienstag, 29. Juli 2014

Zwischen "Ich hab's doch gewusst" und "bitte nicht"

Ich bin hin und her gerissen.

Schaut man fremden Menschen doch stets nur vor den Kopf, so bin ich doch jemand der sich selber ersucht nicht allzu schnell über Menschen, die ich nicht kenne, aufgrund ihrer Art sich zu kleiden zu urteilen. Doch ich bin inzwischen entgegen dieses Glaubens arg überzeugt, dass eine bestimmte Weise sich zu kleiden, gemessen am Ort ihrer Verwendung plus die Art sich zu geben, einen direkten Aufschluss sowohl auf den sozialen Background, als auch auf das meistgesehene Fernsehprogramm zulässt. Musikgeschmack - oder das jegliche Fehlen desselben - inklusive.

Was jetzt gewiss ein wenig nach Sozialdarwinismus klingt, soll gar nicht urteilen oder bewerten, es geht mir hier nicht um arm oder reich, gebildet oder eher weniger. Aber nach einigen Tagen mit Sommerrodelbahnen, Minigolfanlagen oder Freizeitparks maße ich mir an, diese Klassifizierung mühelos abgeben zu können. Ob es der sich vordrängelnde Lehrer, die in Gänze eine RTL-Frisur tragende Familie oder die enervierende Eliteschuleklasse bei der Fastfoodausgabe ist. Alle, alle, wirklich alle Menschen - auch ich selber natürlich - verhalten sich so archetypisch, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Auf jeden Fall relativiert sich hier sehr rasch der so gerne herbeigeflehte Glaube an den freien Willen. Es scheint, als könne man nicht aus seiner Haut, als gäbe einem das was man gelernt hat, das was man kennt, das was man konsumiert und das was man glaubt einfach jede Entscheidung, jede Handlung vor. Ich zum Beispiel bin auch noch nach dem dritten mal des sich so beschissen dummdreist vordrängelnden Sandalenheldens in viel zu kurzer Hose und mit bekacktem Schnurbart noch relativ höflich und raste erst beim vierten mal aus. Dann allerdings richtig unfeierlich. Das habe ich eben so gelernt und wehre mich aus diesem Grund noch immer mit Vehemenz gegen diesen Glauben an die unausweichliche Determinierung, deren unfreiwilliger Zeuge ich soeben wieder einmal geworden war. Logisch, dass ich das maurerdecolletierte, unfreundliche Weißbrot mit einem meine kleingeistige Schadenfreude befriedigendem Sonnenbrand auf dem Parkplatz mit seiner Schulklasse in einen Essener Bus steigen sehe.

Poetisch schreibe ich in Texten gegen diese billige Typisierung weiter an.

Allein der Glaube fehlt mir. Und so muss ich mir selber eingestehen, dass wir zwar eine sehr bunte Spezies, aber wohl doch keine sehr überraschende sind.

Schade.

Freitag, 25. Juli 2014

Der Preis des Ganzweitwegs

Es gibt scheinbar dieses Weitweg - aber eben auch das Ganzweitweg.

Letzteres bedeutet glaube ich, so man es sich denn überhaupt wünscht, in der Übersetzung eine Art Freiheit. Diese ist jedoch in der Vorstellung zumeist gekoppelt mit Ruhe, Unversehrtheit, heiler Welt. Sind diese Punkte in der Realität nicht allesamt erfüllt, ist es wohl nur das einfache Weitweg.

Ich sitze gerade inmitten eines idyllischen Fleckchens Erde, alles was als Weg noch weiter, noch höher hinauf und hinaus führt, ist nur noch per Wanderschuh zu erreichen. Der nächste Bäcker ist derart weit entfernt, dass dieser des morgens einen kleinen Wagen auf schmalen Pfaden hinauf schickt, um seine Brötchen an den Mann zu bringen. Die Grillen streiten sich um das phonetische Vorrecht mit Kühen und Wildgeflügel auf den weiten Anhöhen. Es könnte nicht wesentlich friedlicher sein. Und doch, man muss gar nicht hinsehen, hört man unterschwellig permanent, was hier die Idylle stört.

Es sind die durchaus vereinzelt stehenden und hoch über den Wäldern thronenden Windräder, die bei ausreichend Wind, und den gibt es hier fast immer, gewiss ein Grund, warum sie ausgerechnet hier stehen, ihre unsichtbaren aber hörbaren Wunden in die Umgebung schlagen. Jene Energiequelle, die ich vehement befürworte, der ich bislang uneingeschränkt meine Stimme gab, deren unkenrufenden Gegnern ich bislang einen Spleen unterstellte, wenn sie einmal mehr von den verwirrten Vögeln sprachen, die mit den technischen Störenfrieden nicht mehr zurecht kamen.

Mag sein, dass es an dieser ansonsten absoluten Ruhe, der Perfektion einer Idylle liegt, dass es mir überhaupt auffällt. Mag sein, dass es die Geologie dieses Ortes ist, der die Geräusche, die man nicht einmal wirklich als Lärm bezeichnen kann, überhaut erst so dominant in mein Bewusstsein spült. Mag sein, dass ich gerade derart abschalte, so dass mir jeder noch so geringe Misston auffällt. Man kann auf jeden Fall nicht verneinen, dass diese rauschenden Riesen einen Effekt auf Mensch und Tier ausüben.

Mich macht das nun noch lange nicht zum Gegner dieser Technologie, ist sie doch um ein so unendliches Maß intelligenter als die lebensverneinenden, kernspaltenden Brückentechnologiefehler des vergangenen Jahrtausends, doch zumindest denke ich nun darüber nach.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Less Wire less LAN

Tag 1.
So leben sie also.

So fühlt es sich an, wenn man offline ist. Ich meine wirklich offline.
Wenn alle Lämpchen blinken und leuchten aber jedes einzelne lediglich das Fehlen jeglicher Konnektivität versichert.

Strom gibt es zur Genüge, kann ich doch sogar hier oben das Flugzeuge warnende Rotlicht der Windräder sehen. Alle Endgeräte strotzen nur so vor Energie. Aber es gibt nicht einmal ein Sekundenfenster, das die Chance für einen Tweet, ein Instagramfoto, ein winzig kurzes Telefonat, geschweige denn für einen Blogpostupload eröffnen würde.

So schlimm das Gefühl für einen Onliner reinsten Blutes zunächst ist, da gibt es gar nichts zu beschönigen, so schnell bringt es einen in die Nähe der Antwort auf die oft gestellte Frage, was habe ich eigentlich früher, vor dem Internet gemacht.

Die Antwort ist so kitschig wie essentiell: leben.
Ich jedenfalls entfalte nun die Wanderkarte und sehe wohin es uns morgen führt.
Falk.
Nicht Google.


Dienstag, 15. Juli 2014

Dämonen

Ein wahrhaft tosendes Gewitter
In wirklich jeder einzelnen Nacht
Und glaub mir es war bitter
Vollsten Schreckens aufgewacht

Bereit den Dolch zu greifen
Bereit ihn zu benutzen
Gefertigt um im Ernstfall
Des Teufels Schwanz zu stutzen

Doch feiges Wesen an die Nacht
Gelegt und um den Schlaf gebracht
So ziert er sich der Haderlump
Und kneift noch immer, Stund für Stund

Den Seiber schmeck, den Odem riech ich
Und sei der Umstand noch so wiedrig
Ich lauere jede Nacht dem einen
Der sich verstellt, und der doch meinem

Eigenen Wesen Untertan
So macht er sich an mich heran
Der Waffen Schärfe wohl gewahr
Kneift er noch immer, Jahr für Jahr

Es treibt in meinem Geiste Blüten 
Ich läs ihm gerne die Leviten
Mit lodernd Fackel Ungemach
Verziere ich mein Schlafgemach

Die Akzeptanz des eignen Strauchelns
Vorangestellt der Angst des Zauderns
So bin ich stark und Morpheus kann mich
Ich wache selbst wenn er heran schlich

Doch stets frag ich, erkenn ich ihn,
Hätt all mein Wille seinen Sinn?
Wenn er doch meiner gleich sich zeigte
Und ich mein Sinnen so vergeigte

Als wäre es ein bloßes Schauspiel
Zu lang schon läuft dies Katz- und Mausspiel
Doch jeden Zweifel wisch ich fort
Derlei gibt es in einem fort

Heut Nacht exakt, da muss es sein
Ich lad ihn gern zu mir her ein
Bevor wir noch die Wimpel tauschen,
Lass ich ihn sich an sich berauschen

Die Hybris ist mein schärfstes Schwert
Und so er sich von mir ernährt
Wird er im Taumel wankend fallen
Ich hör ihn schon vor Trunksucht lallen

Mag sein er schafft's und kommt herinnen
Ich lass ihn gern den Sieg erringen
Denn Pyrrus hat uns eins gelehrt
Was ist denn schon der Sieg uns wert 

Wenn wir nicht fähig sind zu denken
Unser' n Triumph bedächtig lenken
Den Kaiserapfel ruhmreich schwenken
Und vor der Zeit den Hals verrenken

Ich geb ihm Zeit, ich wieg ihn still
In Sicherheit und Hochgefühl
Doch grade wenn er meint das war es 
Hol weit ich aus und geb ihm Pares

In dieser Nacht muss ich obsiegen
In dieser Nacht wird er erliegen
Der scharfen Klinge rächend Klang
Nie wieder ist mir Angst noch Bang 

Nebst der Entscheidung werd ich fällen
Ein Urteil vieler kleiner Quellen
Die mir ihr Unbill zugetragen
Zu schnell verliert man sich in kargen

Wortgewalt'gen Einzelviten
Und jede trägt die eignen Mythen
Es langt, der Schnitt, der Schnitt muss sein
So lad ich generös ihn ein

Zur Henkersmahlzeit exklusiv
Heut Nacht geht mir dabei nichts schief 
Ich zittre, bibbre, blinzel, scharre
Mit jenem Huf, dem ich doch harre

Mein Atem brennt dem Schwefel gleich,
Die Augen blitzen rot sogleich
Ich spüre Hass, lass ihn heraus 
Im Nebensatz hör ich Applaus

Er kommt, ich morde, lache auf
Das Biest in mir hat freien Lauf
Und erst als er am Boden liegt
Spür ich wie schwer mein Schicksal wiegt

Denn Tonnen voller Angst versiegen 
Und er bleibt still am Boden liegen
Wo ist mein Wille, einst so wild
Vor mir zeigt sich mein Spiegelbild

Wo mir Dämonen zugewunken
Dort bin soeben ich ertrunken
Sogar der Vers in sich verdreht
Zeigt Jedem wie's mir wahrhaft geht



Ein wahrhaft tosendes Gewitter
In wirklich jeder einzelnen Nacht
Und glaub mir es war bitter
Vollsten Schreckens aufgewacht. 



Samstag, 12. Juli 2014

Entspannung vs. Angstmacherei - warum ich Endgeräte endgeil finde

Manchmal haben die Nörgler und Zauderer, die Miesepeter und Bewahrer recht. 

Manchmal aber auch nicht.

Die Eisenbahn, so wurde geunkt, würde den Menschen ob ihrer unfassbaren Geschwindigkeit in den Wahnsinn treiben, ganz zu schweigen davon, dass der Körper gar nicht für eine solche Belastung ausgelegt wäre. 

Das Telefon schien das Ende zwischenmenschlicher Kommunikation vis a vis. 

Und jetzt auch noch das verdammte Internet. Wir werden alle vereinsamen, verblöden, zu Stubenhockern und was nicht sonst noch alles. Vermutlich das gottverdammte Ende der Welt.

Das Schlimmste aber sind diese dauernd um Zuneigung buhlenden Endgeräte. Überall verführen Smartphones und Tablets ihre fremdgesteuerten Besitzer dazu, das weiter oben erwähnte, gottverdammte Internet mit Worten, Daten, Fotos zu füttern. 

Nun - wir reisen inzwischen putzmunter knapp unter Überschall (oder umgekehrt) durch die Welt, das Telefon konnte nicht verhindern, dass ich mit meinen Nachbarn am Gartenzaun ein After-Rasenmäh-Bier trinke und das Internet ist dafür verantwortlich, dass ich meine Steuererklärung nicht mehr mit der Post schicken muss und mal eben Zugriff auf das Wissen der Welt habe, wenn mir danach ist.

Und diese grauenhaften Smartphones ... haben mich vielleicht sogar vor einem Dasein als Pizza fressendem Stubenhockern bewahrt. Denn waren frühere Technologien oftmals noch ein Widerspruch zu erbauenden Dingen wie Naturerlebnissen und aktiven Freizeitaktivitäten, befreien mich die - zu 99% ja von sie nicht nutzenden Menschen - gescholtenen Endgeräte mich geradezu. 

Wollte ich noch vor ein paar Jahren einen Text schreiben, musste ich mich damit abfinden,dies an meinem Schreibtisch tun zu müssen, sei das Wetter draußen noch so verlockend. Etwas später konnte ich immerhin mein Netbook mitschleppen und darauf hoffen, irgendwo in einer ultramodernen Kneipe vielleicht einen Netzanschluss vorzufinden, nicht selten gegen Bares. Ist es nicht unglaublich wundervoll, dass ich nun, wann immer mir die Eingebung einen Schreibzwang ins Hirn hämmert, dieser nachgeben kann und das immer und überall? 

Diesen Blogeintrag schreibe ich beispielsweise gerade im Garten, lasse mir von den Vögeln ein Konzert  zur Untermalung gefallen und kraule die vorbeischauende Nachbarskatze. Nicht falsch verstehen,mich mag auch Schreibmaschinen, aber ich liebe meine Mobilität. Technik ist nur böse, wenn man sie für etwas Böses einsetzt. Und das zu entscheiden liegt alleine in unserer Macht.

Und nun setzen sie sich bitte wieder auf ihr Hochrad und entfachen ein Signalfeuer, das kann ja auch sehr romantisch sein.


Donnerstag, 3. April 2014

Meinungsmache

Meinungen sind gefragt im Web 2.0, das nun - nur nebenbei erwähnt - eigentlich langsam mal eine höhere Versionsnummer verdienen würde. Meinungen sind gefordert, sind erwünscht und stets willkommen in unserer ausgewiesenen Mitmachkultur - meiner Meinung nach.

Allerdings: Meine ich das nur oder ist es nur ein geringer Prozentsatz derer, die überhaupt eine Meinung haben, die sie auch offen mitteilen? Meistens sind es dann doch immer dieselben. Und von denen, die keine Meinung haben oder äußern, lassen zudem immer mehr dann doch eine Meinung hören, nämlich die, dass sie der Meinung sind, dass die anderen, die ihre Meinung ungefragt mitteilen, diese doch lieber für sich behalten sollten. 

"Alle haben zu allem eine Meinung und sie teilen sie jedem mit, das ist das Grauen" klang es schon in den 90ern vertont durch eine von mir sehr geschätzte Band aus den Lautsprechern. Interessanterweise ist ja auch das eine Meinungsäußerung gewesen. Die Frage scheint interessanterweise gar nicht wirklich die zu sein, OB man seine Meinung äußert, sondern vor allem WOZU und noch vorallemiger WIE. Und da scheint es gesellschaftliche Schablonen zu geben.

Den Mund verbieten wollen einem spannenderweise exakt jene Zeitgenossen, denen die Meinung nicht passt, die man gerade geäußert hat. Soweit so menschlich und auch legitim. Könnte eine Diskussion werden, meint man. Fragt sich nur, muss sich derjenige mit der Meinung nun zurückhalten oder wäre es nicht wesentlich schlauer von dem die Meinung nicht hören wollenden, einfach nicht zuzuhören, einzuschalten, mitzulesen? 

Wahr ist: Meinungen von Gleichgesinnten sind gefragt im Web. Aber auf jeden Menschen mit einer Meinung kommt mindestens ein Troll, der sich mit Absicht und zumeist großem Vergnügen über die freie Meinung desjenigen aufregt, den er eigentlich gar nicht sehen, hören, lesen will. Aber anstatt mit seiner eigenen Meinung dagegen zu halten, argumentativ zu kämpfen, wird gepöbelt, gejammert, geschimpft, oder kleinlich jeder kleinste Fehler herausgearbeitet. Das Ziel ist das Bloßstellen. Da geht es Markus Lanz nicht anders, als jedem Blogger.

Es ist so viel einfacher die Leistung anderer schlecht zu machen, als selber mal etwas anzustoßen. Verstehe ich ja auch. Armselig und entlarvend ist so ein Verhalten trotzdem. Meine ich.
Das Beruhigende daran ist jedoch, man weiß plötzlich wer wo steht. Der Pöbel - das Wort passt hier einfach zu schön - verlässt ohne es zu merken seine schützenden Gräben und rottet sich zusammen. 

Meinung verbindet also mehr als den keine Meinung habenden lieb ist. Meint Ihr nicht?




Montag, 31. März 2014

Ein kurzes Wort zur Subkultur

Als einer der herzblutorientierten Vertreter der Kleinen, der aus einem Drang, heraus Schaffenden, möchte ich hier all denen das Wort reden, die weder vom staatlich subventionierten Kulturbetrieb, noch von der popkulturellen Maschine finanziell oder sonst wie ernährt werden.

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, auch und sogar unter vielen meiner engen Freunde, dass Kunst - sei es Musik oder Malerei, Performance oder Schreiben, Bildhauerei oder Fotografie - doch zu etwas führen müsse. Und was mit "etwas" gemeint ist, lässt sich in zwei Worten zusammen fassen: Geld und Bekanntheit.

Dabei wird in gewiss 95% aller Fälle übersehen, dass es der Subkultur genau darauf nicht ankommt. Abgesehen von einem ohnehin existenten, gesunden Misstrauen dem Mainstream gegenüber gilt: Es ist mitnichten das Ziel eines Künstlers - und war es noch nie - mit seiner Kunst möglichst viel Geld zu machen, ja nicht einmal davon leben zu können. Es kommt absolut nicht darauf an, dass man seinen Namen in versalen Lettern in der Klatschpresse liest. Es ist zwar wunderschön, wenn möglichst viele Dein Bild betrachten, Deinen Roman lesen, Deine Ausstellung oder Deine Konzerte besuchen - aber im Grunde kommt es auch darauf nicht an. Es ist gänzlich ohne Belang. Es ist einzig und allein wichtig, dass Du rauslässt, was raus muss.

Spannend ist, dass an sich als Künstler stetig dafür rechtfertigen muss, warum man denn hier noch nicht ausgestellt, dort noch nicht gespielt oder da noch nicht gelesen habe. Die Wenigsten sind bereit sich auf Kunst wirklich einzulassen - unabhängig von Rang und Namen eines Künstlers. Doch wer verleiht hier das Signet "Rang und Namen"? Die Fachpresse, das Feuilleton, Kunstinteressierte, Menschen, die noch niemals einen kreativen Drang verspürt haben?

Ich könnte jeden Sonntag Abend kotzen, wenn ich in der ARD die von mir eigentlich gern gesehene Sendung ttt einschalte, und mir einmal mehr der neue, natürlich wunderhübsch anzusehende Soulgesangsstar präsentiert wird, der uns alle jetzt ob seiner einzigartigen Stimme ach so irre umhauen muss. Jeden Sonntag. Um Inhalt geht es hier dabei eher selten, junge Musik, politische Musik, ambitionierte, risikobehaftete Musik? Fehlanzeige. Mir fällt dieser Hohn allen Musikern gegenüber, die mit ihrer Musik etwas ausdrücken, verändern, bekämpfen wollen natürlich besonders auf - bin ich doch selber Musiker. Ich denke aber, es geht anderen Künstlern in der Wahrnehmung der abgebildeten Kunst hier nicht wirklich anders.

Gesellschaftlich der Konsens tragenden Ignoranz gegenüber der aus sich heraus erwachsenden Kunst die glänzendste Krone aufsetzend, ist jedoch jene bildungsbürgerlich etablierte Haltung, zu keiner Vernissage unbekannter Künstler seiner Heimatstadt, zu keinem Konzert einer Band, die man nicht aus dem Formatradio kennt, zu keiner Lesung eines ungedruckten Schriftstellers aus der Region zu gehen - ABER dann nach fucking Berlin zu fahren und hier jede verdreckte Innenhof-Spelunke für ihre dichtenden Säufer zu feiern, da HIER ja die Subkultur noch richtig lebt! Und dann bei jedem Besäufnis im Freundeskreis mit Inbrunst und einer unfassbaren Ignoranz zu betonen, es gäbe ja nichts Neues und Relevantes mehr.

Unser Kulturtourismus zeigt, wie oberflächlich unser Kunstverstand in Wirklichkeit ist. Wie sehr das "Ich war da"-Phänomen bestimmt, welche Ausstellungen besucht werden, unfrei nach dem Motto: "Kann ich das erzählen, dass ich da war und wie sehr werde ich dafür bewundert?" Und nein, richtig Arschloch, Du wirst in der Masse gewiss nicht dafür bewundert werden, wenn Du mit den Namen nie gehörter Künstler um Dich wirfst. Nein, da wird kein Glanz eines Gerhard Richter auf Dich abstrahlen, der hochbegabt, aber offensichtlich inhaltlich schon immer inspirationslos sein Werk den Massen in ausverkauften Monsterausstellungen präsentiert, was ich hier nicht einmal Herrn Richter vorwerfen möchte.

Hier ist eine Lanze, all jenen, die etwas in sich spüren, die dem was sie in sich tragen Ausdruck verleihen wollen. Verzweifelt bloß nicht daran, dass Ihr glaubt, niemand würde sich für Eure Kunst interessieren, denn das ist scheißegal. Es ist wichtig, dass Ihr es spürt, dass Ihr es heraus lasst, dass Ihr kreativ seid. Kunst ist Kunst, jenseits von Zuschauern oder Lesern, ungeachtet von Charts und Rankings. Derartige Maßstäbe haben Bürokraten eingeführt, die Unkreativen, die Neidischen, die gewiss selbst niemals erschaffen haben und werden.

Es gibt so viele Vorbilder in Sachen Do It Yourself in beinahe allen Epochen. Der Dadaismus, der Punk, der Hardcore, die kreativen Keimzellen einer jeden Subkultur. Lasst Euch nicht von Redakteuren oder Kritikern erzählen, dass das was Ihr tut weniger wert ist, als das was andere tun, weil die vielleicht mehr verkaufen. Scheißt auf ihre Punktesysteme. Führt Euch vor Augen, dass Kunst und Verkaufen, im Prinzip Gegensätze sind, denn Ideen, die zu Geld werden, sich verkaufen, werden Mainstream und wollen nicht mehr Probleme skizzieren, sondern mutieren zum Selbstzweck, und das ist das Verkaufen.

Und wenn Euch Freunde das nächste Mal fragen, was Ihr mit Eurer Kunst erreicht habt, sagt Ihnen, sie mögen es selbst herausfinden. Wenn sie den Mut und die Energie dazu haben.


Samstag, 22. März 2014

Der Kern

Es ist der Kern. Das Herz. Das Wesen von jedem, von allem.

Es ist die Sehnsucht, den Dingen möglichst nahe zu kommen. Und im Grunde ist alles ohne das Wissen um den Kern nichts. Es ist verrückt danach zu suchen - und noch viel verrückter es sein zu lassen. Man kann es also (im Grunde) nicht richtig machen, aber - und das ist die gute Nachricht - auch nicht falsch.

So trennt sich der Weg derer, die es richtig machen, und derer, die es nicht falsch machen wollen. Fraglich ist, wer von beiden es aus seinem Antrieb heraus versucht und wer es genau aus dem selben Grunde lässt. Ist im Grunde, nicht im Kern, aber auch egal.

Wichtig ist vermutlich nur, was man aus der jeweiligen Wahl heraus macht - oder lässt. Denn wenn man sich dem Kern, dem Herzen, dem Wesen aller Dinge bewusst nähert, oder ihm bewusst fern bleibt, ändert man es - hat man zumindest die Chance es zu ändern.

Und nicht zuletzt das zu versuchen ist die Pflicht eines jeden, der dem Kern näher kommen möchte - oder gar muss. Auch wenn es klingt wie eine Chance, eine freiwillige Entscheidung, ist es für diejenigen die es anstreben, nicht selten eine Unabdingbarkeit. Ein Zwang der allerdings paradoxerweise eine Chance bedeutet. Und so mündet es in einen Kreislauf.

Und so suche ich den Kern. Das Herz. Das Wesen von jedem, und allem.

Freitag, 21. März 2014

Niesgewalt vs. Qualbefreite

Der Niesgewalt ich Einhalt such, die Frühlingssonne steht im Ruch,
Der Bösewicht des Spiels zu sein, drum geh ich selbst fürs Sonnen rein.

Den Qualbefreiten schau in Ruh, ich ohne Neid von innen zu,
Wie sie sich unter Birken scharen, um sommerlichen Schein zu wahren.

Sie grillen sich zu jeder Stund, den nackten Körper rundum wund,
Bis Teile der gegrillten Stellen, sich ganz von selbst vom Leibe pellen.

Der Mücke sind sie ausgesetzt, die sie sogleich im Schwarm zerfetzt,
Die Wespen tun es ihnen gleich, und rauben noch ihr letztes Fleisch.

Vernetzt mit Mobilendgeräten, sie virtuell das Gras betreten,
Und postend voller Wortgeschick, teiln sie mir das dann auch noch mit.

Die Selfies füllen Timelines fixer, als Alkopops die ganzen Typen,
Sie preisen Sommersonnensinn, und nähren meinen Sommergrimm.

Erwägend ein Gedicht zu schreiben, verbleib ich zürnend beim Verbleiben,
Im Niesen episch ausgemaßt, und zwischen drin betont verhasst.

So tu ichs allen Grillern gleich, und wähne mich voll Sommers reich,
Ich schmeiß mich unter die Gesunden, und niese schamlos meine Wunden.

Den Birken werf ich gönnend Blicke, durch Ast und Zweig tief ins Gewicke,
Die Qualbefreiten straft mein Niesen, es ist, als würd ich Blumen giessen.

Donnerstag, 13. März 2014

Ich gehöre mir eigentlich gar nicht

Ich bin der Rechteinhaber meiner Urängste. Und ich erwarte stündlich einen persönlich via Sendboten zugestellten Brief von der GEMA, die mir standrechtlich mitzuteilen gedenkt, dass dem nicht so ist. Schließlich habe ich ja keinen Freistellungsauftrag zur kostenfreien Nutzung meiner Ängste bei der Pseudobehörde angefragt.

Das alleine wäre beinahe noch zu ertragen, so wäre man im Falle eines Anfalles von Urängsten wenigstens nicht alleine. Sofort stünden einem zwei, drei Pseudobeamte zur Seite, die einem mit fiktiven, da völlig willkürlich festgelegten Rechnungsbeträgen vor der Nase herumfuchtelten und auf die sofortige Begleichung dieser Pseudorechnung bestünden.

Was aber, wenn ich unerwartet eine Fantasie in die Tat umsetzte? Ungefragt und nicht genehmigt von der GEMA? Darf ich ja schließlich nicht einfach machen. Eine Idee, die ich irrigerweise als die meine erachtete, Gestalt annehmen zu lassen, ohne zuvor einen der wirklich so wichtigen wie umsichtigen und im Wohle der Kunst handelnden Pseudobeamten gefragt zu haben.

Wo kämen wir denn da hin? Wenn sich plötzlich jeder befähigt sähe, seiner Kreativität einfach so ungefiltert und - das ist der Punkt - ungenehmigt und - das ist der zweite Punkt - unbezahlt und ungehemmt freien Lauf zu lassen. Das wäre ja verrückt. Eine unregulierte, eine enthemmte, eine kreative, eine freie Gesellschaft! Das darf nicht sein. Das sehe ich natürlich ein. Das hier ist Deutschland. Wir brauchen immer jemanden, der uns sagt, was wir dürfen und ob wir es überhaupt dürfen, und vor allem wann und zu welchen Bedingungen wir es dürfen. 

Ich mag die GEMA!
Ich mag die Regulierung.
Ich mag Klugscheißer und kreative Bremsen.
Ich mag Beamte und regulierende Paragraphenreiter.
Ich mag gedankliche Fesseln und staatliche Bevormundung.
Ich mag kleinkarierte Sakkoträger im Geiste.
Ich mag horizontal beschränkte Stempelkissenverbraucher.

Und vor allem mag ich es zu wissen, gegen was es sich bis aufs Blut zu kämpfen lohnt!


Donnerstag, 6. Februar 2014

All das sind wir!

Was ist der Treibstoff Deiner Seele?
Was ist der Ursprung Deiner selbst?
Was bedeutet Dir Deine Erinnerung .. an Dich selbst?
Was macht Dich zum Menschen?

Wir sind allesamt Verräter. Verräter an uns selbst. Das lässt sich gar nicht umgehen. Nicht mal für den ghandieskesten unter uns. Das ist auch okay. Auf das Maß kommt es an. Den Pegel. Die Dosierung. Wie immer und überall.

Kannst Du Dich noch erkennen, wenn Du Dir alles wegreißt, was Dich stört? "Bist Du noch da" - hinter all dem Gekauften, den Fassaden, dem Gespielten?
Weißt Du was Träume sind - oder ... träumst Du gar nicht mehr?*
Lässt Dich das nächtliche Trommelfeuer Deiner Gedanken kalt, streifst Du es morgens mit der selbst temperierten Dusche ab oder gibst Du ihnen die Chance, Dich zu überzeugen? Mit Argumenten, mit Gefühlen. Mit Erinnerungen an Dich selbst?

Dunkelheit kann ein Antrieb sein, Selbstzweifel ein Nährboden aus dem Neues erwächst.
Es ist verdammten Phönix. Das alles sind wir - auch wenn wir zu weit gehen oder unfassbar weit hinter unseren Möglichkeiten zurück bleiben.

Wenn Du etwas spürst, das hinaus will, lässt Du es zu? Auch wenn es vielleicht das letzte ist, was übrig ist von Dir, wenn es Dich dann doch noch zerstört, und sei es nur gesellschaftlich.Vieles ist einfach peinlich. Zu peinlich. Gegen jedes Image. Mag sein. Aber das Meiste davon geschieht ja eh in Deinem Kopf. Die verdammte Schere, das Skalpell, der Pranger.

"Es wird nie mehr, wie es war." Ein Wahrheit. Es sei denn, Du bist erfüllt von religiösen Gedanken, die alle oben gestellten Fragen mit einer so schnellen wie endgültigen Antwort ad acta legen.

Als vielleicht einzige Ausnahme in diesem Fall stellt sich dennoch irgendwann diese Frage aus Zeile drei:
Was bedeutet Dir Deine Erinnerung an Dich selbst?
Wenn Du nicht weißt, was Du auf diese Frage antworten sollst, bist Du ja bereits auf einem guten Weg. Wenn Du kopfschüttelnd weg siehst, hat auch der weiter oben erwähnte Phönix im Prinzip seine Asche selbst in alle Winde geblasen.

Solange wir eine vage Ahnung an und von uns selbst haben, gibt es keinen Grund zu verzagen - egal wie es um uns bestellt ist. Wir sind auf dem Weg. Und der ist scheißeholpriglangunebenkurvigkackeundichmusszumbeispieljetztauchnochdieverdammtewäscheaufhängenschwierigundungewiss. Aber er ist nicht vorherbestimmt. Das wäre mitunter tröstlicher und einfacher - aber scheißenochmal langweilig!

Also, Verräter aller Länder, vereinigt Euch und kommt klar! Aber verbannt die Ausreden!
All das sind wir!
 

*Mit unbedingtem Dank an Marathonmann und ihre ultimative Freigeist-Retrospektive "Holzschwert" - ab und an braucht man ihn: den Arschtritt! In Erinnerung an den 4 Jahre zurückliegenden Text in Reminiszenz an Escapado "Worte, Rot markiert!"

Ihr fragt noch immer nach dem Sinn ... !

Es geht einfach kaum etwas darüber, sich selber bewusst zu machen, dass man lebt. Dass man frei ist, und unfassbare Möglichkeiten hat. Dass man etwas geben kann, dass man einem anderen etwas bedeutet und dass einem andere etwas bedeuten. Dass man für jemanden da sein kann. Dass man jemanden helfen, trösten und beschützen kann. Dass man sich selber, seine Gedanken, sein Wesen ausdrücken kann - auf welche Art auch immer. Scheißegal auf welche Art.

Und dann das gruselige, beinahe irreale, da nicht unmittelbar greifbare Gefühl der Stufe eins, dass all das für unzählige Menschen auf dieser Welt - egal ob nah oder fern - nicht zutrifft. Dass sie geknebelt werden, nicht selten von ihrer eigenen Regierung, ihren eigenen Landsleuten. Dass sie erst mundtot gemacht werden, bevor sie auch körperlich sterben - wenn das dann noch einen Unterschied macht.

Schließlich das - weitaus dichtere - gruselige Gefühl der Stufe zwei, dass Menschen aus Deiner Umgebung, denen eigentlich dieselben Freiheiten zur Verfügung stehen sollten oder standen wie Dir, eben diese nicht mehr nutzen können. Vielleicht sind sie existenziell bedroht, vielleicht sozial gebunden, vielleicht tot. Letztere haben - auch das ein Horror - niemals mehr die Möglichkeit Ihre Stimme zu erheben, Ihre Gedanken zu teilen.

Und dann ist es wieder da. Dieses seltsame, aber wärmende Drängen, von Deinen Dir scheinbar so selbstverständlich gegebenen Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Sie einzusetzen. Sie freizusetzen. Sie zu befreien. Dich zu befreien. Und damit stellvertretend auch all die anderen, die dieser Möglichkeiten nicht habhaft oder beraubt sind.

Abwarten und jammern ist einfach - und doof - und RTL - und vor allem: eine Lüge!

Ihr haltet Freiheit für eine Plattitüde?
Ich halte Freiheit für existenziell!  

Wir, die wir einen Fetzen Freiheit in Händen halten, haben die verdammte Pflicht dazu, sie zu nutzen.
Damit sie leben kann - damit wir leben können!

Montag, 27. Januar 2014

Mach's gut Micha.

Nun ist er also gegangen. Nach monatelangem und beispiellosen Kampf hinterlässt ein ebenso sturer wie liebenswerter Sauerländer die Bühne und hinterlässt eine klaffende Lücke bei denen die ihn kannten und liebten.

Micha ist weg. Und ich bin froh, dass ich ihn kennenlernen durfte. Ihn, der die sozialen Medien so sehr verabscheute, wie er allzu viele Menschen auf einem Haufen mied. Auf den ersten Blick ein absoluter Eigenbrötler, auf den zweiten ein stetig moppernder Grantler, auf den dritten eine Seele von Mensch mit einer sehr eigenen Meinung.

Ich kannte ihn leider nur ein paar Jahre und bestimmt nicht in all seinen Facetten und die Gelegenheiten, zu denen wir uns trafen, hatten zumeist feierlichen Charakter oder eben den Umstand unseres wöchentlichen Stammtischs. Es gibt gewiss viele, die ihn wesentlich länger kennen, bereits seit es ihn aus dem Sauerland ins Ruhrgebiet verschlagen hat, aber ich denke, ich hatte einen guten Draht zu ihm.

Keiner meiner Freunde hat mehr Konzerte von mir besucht, als Micha. Abgesehen davon, dass er unser Album Wolkenstein als anonymer Spender mitfinanziert hat - wie gesagt, er hasste soziale Medien und zuviel Aufmerksamkeit seine Person betreffend - habe ich ihm mitunter die scharfsinnigsten Feedbacks unserer Konzerte zu verdanken.

Ich denke, Micha hätte sich nie als Nerd bezeichnet, doch auf die positivste Interpretation dieses Begriffs war er für mich ein Nerd. Er war nie monothematisch, doch geradezu penetrant hinsichtlich der Missionierung der Welt, wenn es um den technischen Klang von Musik geht. Ich denke, falls ich jemals einen neuen Kopfhörer kaufen sollte, werde ich mich nach Stax - ich weiß nicht einmal, wie man diese Marke schreibt, obschon ich den Namen gefühlt 2000 mal gehört habe - erkundigen. Und ich werde niemals mehr die Queens Of The Stoneage hören, ohne an Micha zu denken. Seine Verehrung für den Mitschnitt eines ihrer Konzerte ist Geschichte.

Micha war in der Tat einer der wenigen positiven Pessimisten, die ich kenne. Noch im letzten Jahr planten wir einen eigenen Blog, um unserem Missfallen über schrecklichste Mainstream-Musik a la Rihanna und Max Herre und überhaupt all diese uninspirierte Scheißmusik da draußen Ausdruck zu verleihen. Natürlich gab es auch Dissenzen - ein Wort, das niemand so natürlich gebrauchte, wie Micha - zwischen uns, bezüglich hörbarer Musik, ich sage nur Distelmeier. Aber seine Ablehnung kam von Herzen und somit akzeptierte er meine.

Micha war ein Mensch mit einem unfassbaren Dünkel auf sein Studium. Mit diesem trieb er mich soweit, dass ich 2010 mit ihm gewettet habe, dass ich binnen 10 Jahren meinen Doktor machen würde. Nur, um ihm zu beweisen, dass das eine reine Fleißarbeit ist. Der Einsatz war sein Lieblingsbier. Eine Kiste Krombacher. Irgendwie hat er jetzt final gewonnen.

Ich habe Micha in Lebensphasen kennen gelernt, in denen er gewiss nicht immer glücklich war und man sah ihm seine Sorgen durchaus an. Nichtsdestotrotz hatte er am Ende einen Menschen an seiner Seite, auf den er stolz sein konnte. Bis ganz zum Ende.

Ich bin froh, dass ich ihn vor ein paar Tagen noch einmal sehen, sprechen konnte - auch um ihn an unsere Wette zu erinnern. Was ich im Leben nicht vergessen werde, ist sein trockener Humor, den er sogar zu äußern in der Lage war, als er eigentlich nicht mehr über die geeigneten Mittel verfügte. Es wäre zu pathetisch zu behaupten, er hätte bis zu seinem letzten Atemzug die wahren Spießer verlacht, aber auch nicht ganz weit weg von der Wahrheit.

Ich persönlich werde den 27. Januar ohnehin niemals vergessen, da an diesem Tag im Jahr 2011 auch mein Vater verstarb. Und irgendwie möchte ich glauben, dass ich diesen Tag eines Tages als einen guten Tag ansehen kann. Ein Tag an dem nun bereits 2 gute Menschen gingen, die nicht nur mir etwas bedeuteten. Vielleicht wird aus diesem Tag der Trauer mit der Zeit ein Tag des Friedens.

Werde ich Dich vermissen Micha? Oh ja, das werde ich. Bescheuerter Weise bist Du einer von den Menschen, die man kennenlernt, ein zeitlich nur kurzes Stück des Weges begleitet, und am Ende aller Tage bemerkt, dass man viele Dinge nicht gesagt und nicht getan hat. Das scheint zwar beinahe immer so zu sein, aber in Deinem Fall , Du sturer Bock, Du alter Stiesel, Du nerdiger Sauerländer, Du gutes Herz, wird genau das bei mir dazu führen, dass ich Dich niemals vergessen werde. Keiner Deiner Freunde wird Dich je vergessen.

Und wir zwei Atheisten wissen, das ist es was bleibt. Was mich gerade trotz allem zum Schmunzeln bringt, ist die Tatsache, dass Du meinen Text aufgrund der Kommasetzung oder der ein oder anderen Formulierung gewiss zerpflücken würdest, alter Korinthenkacker... Und ich würde es lieben.

Ich wünsche Dir, dass sich alle Deiner erinnern so lange sie leben und zwar so, wie Du warst. Unangepasst, eigen, stolz und lustig.

Wegen Dir werde ich jeden Samstag, sollte ich die Straßenseite wechseln, ein breites Grinsen auf dem Gesicht tragen. Irgendwann.
Mach 's gut Micha.





Mittwoch, 8. Januar 2014

Novitäter

Unter ferner liefen - Gedanken durch die Nacht
Die Hälfte dieser Racker - hat sich leise umgebracht
Verhagelt sind dem schlichten Sinn
Nun Trübsal und der Sog dorthin

"Anders als die ander'n" - wähnt sich jeder Geist
Bis garstig Klarheit nächtens - tiefe Wunden reisst
Gebügelt duch der Masse Masse
Geschliffen mit abwesend Klasse.

Dauerschwörend Schwüre - schwören sich gleich selbst
Bis der eig'ne Ekel - jene selbst befällt
Die sich seh'n ins Recht getaucht
Die Gedanken - schon gebraucht.

Freitag, 3. Januar 2014

Jahresrückblogblockaden

Tja, das Jahr ist so gut wie rum, ist viel passiert. Ich könnte ja mal etwas Zusammenfassendes schreiben.

Oh, bald ist Weihnachten, eine wirklich wundervolle Gelegenheit, kurz vorher ein Resümee zu ziehen.

Hey, okay, zwischen den Tagen, da hat man immer Zeit für einen besinnlichen Rückblick.

Silvester, das ist DIE Gelegenheit, um wirklich das komplette Jahr, Tag für Tag zu würdigen.

Mhh, das neue Jahr hat also schon angefangen, das ist ja eigentlich noch viel besser. Jetzt it ein wenig Abstand, ist man auch viel objektiver, was die Bewertung des Jahres angeht.

Was, schon der 3. Januar? Vielleicht warte ich einfach bis Dezember, dann schlage ich zwei Jahresfliegen mit einer Rückblogklappe?!

Perfekt.

Freitag, 27. Dezember 2013

Blogstöckchen: Die Worte zum Jahresabschluss

Wer bin ich, dass ich mich seinem Wunsch widersetzen könnte! Dem einzigartigen @westsideblogger sei Dank, sehe ich mich hier nun gezwungen, das mir von ihm zwischen den Tagen zugeworfene Blogstöckchen aufzuschnappen und ehrenhafterweise weiter zu werfen, wenngleich ich keinerlei Ahnung habe, wo dieses Stöckchen vom Baum gefallen ist.
Winterdepression?
Ein wundervoll erleichterndes Gefühl, wenn nach lähmender Frühjahrsmüdigkeit, die auf die stets schwüle Sommerschwere folgende Herbstpsychose mittels Glühwein und Grog endlich von einer, mittels Myriaden von LEDs erleuchteten Winterdepression abgelöst wird.

Urlaub?
Ist überbewertet. Wer, wie ich in der Werbung arbeitete, weiß, dass einem dieser Job jeden Tag wie der reinste Urlaub erscheinen lässt.

Sport?
Jedes einzelne verschlafene, allmorgenliche Tasten im Halbdunkeln nach der Schlummerraste des Weckers, ist mir Sport genug. Ich möchte gar behaupten, ich spiele diesbezüglich in der Profiliga.

Liebe?
Alles ist nichts ohne Liebe!

Drogen?
Seit ich erfuhr, dass man Gewürze ebenfalls Drogen nennt, bin ich wohl der glücklichste und freieste Drogensüchtige überhaupt.

Bücher?
Hier greift ebenfalls meine Aussage zum Punkt Liebe. Bücher sind Vehikel der Kultur. Und Kultur ist schlicht lebensnotwendig.

Rotwein?
Hat die staubtrockene Nase, was mich angeht, weit vor seinem weißen Bruder, dem ich jedoch nicht die Chance auf Profilierung vorenthalten möchte. Den einzigen Nachteil, die dümmliche, wenn auch nur temporäre Verfärbung der Zähne, verzeihe ich ihm gerne.

Weihnachten?
Dolle Erfindung. Wenn es dieses Fest nicht gäbe, müsste man es erfinden. Habe aber bis heute nicht herausgefunden, warum hier Wein mit h geschrieben wird. Egal. Ich achte ihn aber auch so definitiv.

Fehler?
Ich verstehe die Frage nicht.

2013?
Ein Jahr, so Hirn wie rissig und so dünn wie Pfiff. Abgehakt und durchgestrichen.

Der Gott hat seine Schuldigkeit getan, der Gott kann Stöckchen werfen.
 Ich übetstaffele den Stab an:

1. Die wundervolle @Konsonaut
2. Den tiefsinnigen @gedankenhalde
3. Den verrückten @ulf_der_freak

Donnerstag, 7. November 2013

Glücklich ist, wer ...

Jeder hat sie. Zumindest jeder Glückliche hat sie. Diese eine Band, die einem in wirklich jeder Lebenslage eben dieses Leben retten kann. Die einen aufbaut, wenn es schlecht läuft, die einen mit scheinbar genau auf die jeweilige Lebenslage zugeschnittenen Ratschlägen versorgt, die einen anschreit, den Arsch hoch zu kriegen, wenn man in seinem Selbstmitleid versumpft, die einen zum Weinen bringt, wenn einem danach ist und bei der man es auch und gerne erträgt, wenn einem eigentlich nicht danach ist, die einem die Augen öffnet, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, die einen dazu treibt, kreativ zu werden, wenn man doch gerade sich selbst in einem Kreatief wähnte, die einen gesund macht, wenn man leidet, die einem zu jeder Tages- und Nachtzeit willkommen ist, die einen niemals nervt und wenn doch, einem genau deshalb ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, die einen auf Spaziergängen laut mitsingen, im Auto wie Besessen schreien, in der Öffentlichkeit wie ein Volldepp herumspringen lässt, die einem das Gefühl gibt, dass es völlig okay ist, so zu sein, wie man ist, dass man auch auf verlorenem Posten seinen Stolz bewahren, seine Meinung vertreten, seinen Spleens frönen kann, die einen zwingt, Wahrheiten ins Gesicht zu sehen, die einen mit Energie versorgt, immer und immer wieder, die Dich einfach und kompromisslos glücklich macht.
Jeder, der so eine Band für sich gefunden hat, weiß, dass es ein Segen ist. Ich habe meine Band gefunden. Und ich bin sehr dankbar dafür.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Die kleine - absolut unvollständige - Landkarte des Social Web

Es ist ein großes, buntes, verwinkeltes Dorf, dieses Neuland mit all seinenEinwohnern. Doch ist das alles so neu und ungewohnt? Führen wir nicht online einfach das weiter, was wir in der alten, abgeleinten Welt seit jeher praktizieren?

Gehen wir doch einfach mal auf die Straße von Neuland. Da fängt es ja schon an. Gehen wir zunächst auf die Hauptstraße oder auf eine der unzähligen Nebenstraßen. Ich denke, wir folgen zuerst einmal der Masse. Da drüben stehen diese riesigen Wohnblocks. Von außen sehen die ganz schön anonym aus, wenig einladend und über dem Eingangsportal prangt in riesigen Lettern das leuchtend blaue Facebook. Die Wohnungen hier sind geräumig, recht preiswert und man hat schnell Kontakt zu anderen Einwohnern. Die einzelnen Appartments sind verbunden durch großzügige Innenhöfe voller bunter Attraktionen. Man kommt sehr schnell ins Gespräch mit Fremden, bis einem auffällt, dass es sich zumeist um flüchtige Bekannte handelt, die man seit Urzeiten nicht mehr gesehen hat. Oftmals aus gutem Grund. Es ist nicht so richtig gemütlich hier, aber das stört die meisten Einwohner nicht wirklich, sind sie doch hier eingezogen, um sich recht unkompliziert in Smalltalk zu üben. Eingekauft wird gerne auf Empfehlung und dann zumeist im Großhandel. Man ist zwar amüsiert, wenn man Menschen begegnet, die einer gepflegten Aussprache nicht mächtig sind, toleriert diese aber großzügig. Es ist nicht unbedingt erstrebenswert hier zu wohnen, doch für jeden erschwinglich und niemand bleibt so richtig allein.

Wem es hier zu schlicht oder auch zu urban ist, der zieht lieber etwas weiter raus ins Grüne, in jenen unübersichtlich verzweigten Vorort, der sich Twitter nennt. Hier wohnen weitaus weniger Menschen, genau genommen nur ein Bruchteil derer, die das benachbarte Facebook bevölkern, dafür erstrecken sich hier, kleine Hütten mit Garten, mondäne Villen oder Einfamilienhäuser, soweit das Auge reicht. Die Menschen, die es hierher zieht, kennen sich nicht von früher, doch sie alle eint das Bestreben, sich fernab der Großstadt neu zu beweisen. Man möchte es schön haben, aber nicht mit jedem. Eine bewusste Distanzhaltung und feste Prinzipien bestimmen das Wesen der meisten Einwohner von Twitter. Diese Vorortsiedlungen sind ein wenig aufgebaut wie das klassische Dorf aus eigentlich vergangenen Tagen. Es gibt Einzelhandelsgeschäfte, einen Dorfplatz und man trifft sich, wenn man mit dem Hund oder seinem Spleen Gassi geht. Man begrüßt sich am Morgen, isst zusammen im Biergarten, trinkt abends zusammen und geht nicht eher ins Bett, bis man nicht auch dem Letzten eine gute Nacht gewünscht hat. Dazwischen streitet man über Politik, fängt Einhörner im Wald oder bereitet gemeinsam Mett in den unterschiedlichsten Variationen zu. Es mag an der geringen Einwohnerzahl liegen, dass es hier um ein Großteil familiär zugeht, als drüben in der Megacity. Dafür streitet man hier aber auch mitunter bis aufs Blut, wenn es um politische Themen geht.

Zwischen der Großstadt und den Dörfern liegt der schnell gewachsene Vorort, den man eher als städtisches Randgebiet ansehen kann. Google+ wird oftmals bevölkert von vielen Menschen, die sowohl ein Appartment in Facebook, aber auch ein kleines Haus in Twitter ihr eigen nennen. Vor ein paar Jahren galt es als schick, den damals noch streng limiitierten Vorort zu bevölkern, doch so sehr die Immobilienmakler auch trommelten, ein richtiges Flair hat Google+ nie entwickelt und so ist es heute einer jener Trabantenstädte, die es nicht so richtig über den Status einer Schlafstadt hinaus gebracht haben, auch wenn die Makler weiter trommeln.

Weitaus glamouröser, aber auch oberflächlicher gibt sich da die kleine Enklave Instagram. Gegründet durch Anhänger des Prä-Web-2.0schen Applekults, werden die kleinen, dicht mit Bildern behangenen Behausungen, heutzutage zumeist genutzt, als eine Art Feriensiedlung der Twitterianer. Kaum ein Instagrammieter, der nicht ein Häuschen im benachbarten Twitter sein eigen nennt. In Instagram wird gegessen, gegessen, gegessen und wenn dann noch Zeit ist, fotografiert man den Himmel oder - so man eine Frau ist - wahlweise seine Beine. Man versteht sich mitunter gerne als Künstlersiedlung, allerdings wird eigentlich nur gelobt, was man mag oder glaubt es loben zu müssen, um gelobt zu werden. Eine offene Streitkultur ist hier eher fehl am Platz.

Zum Arbeiten gehen die meisten Einwohner ein paar Straßen weiter zu den Vierteln Xing oder LinkedIn, hier gibt man sich seriös und kravattiert, ganz gleich, ob man sein Häuschen in Twitter oder seine Wohnung in Facebook unterhält. Man lobt ungeniert, wie es sonst nur Kinder tun, seine eigenen Leistungen und Qualifikationen, lässt diese durch Bekannte bestätigen und gibt sich wundervolle Titel. Ähnlich wie in den Wohnblocks von Facebook, zählt hier nicht, wie man wirklich ist, sondern ob man das, was man vorgibt zu sein, auch glaubhaft darstellen kann. Und man gibt sich wundervolle Titel. Gerade LinkedIn ist vielleicht sogar der amerikanischste Teil von Neuland, alleine schon wegen der wundervollen Titel. Fakt ist, wer etwas auf sich hält und beruflich weiterkommen möchte, sollte sich ein schickes, vorzeigbares Büro in diesem Businessviertel einrichten.

Dann gibt es noch die wikden Kreativviertel Blogger, Wordpress, Tumblr und Co. Je nach Neigung, mieten sich hier einige Bewohner aus Facebook - prozentual zur Bevölkerungsdichte jedoch wiederum weitaus mehr Einwohner von Twitter und Google+ - schicke, schmuddelige oder nach allen Regeln der Kunst aufgehipte Ateliers und Schreibwerkstätten an. Hier werden existenzielle Texte roh in kargen Hinterhöfen ausgehängt, in der direkten Nachbarschaft von Hochglanzfotografien, die die heißesten Trends in Sachen Mode, Kunst, Essen, Nippes, Leben, Wohnen, Sterben, Spielen, Antüddeln und einfach von allem vor die Füße des schon längst gestolperten und der Länge nach hingeschlagenen Betrachters kippen. Ein Feingeist, wer da auf die schnelle zu unterscheiden weiß, zwischen Anspruch und Hybris. Aber wie auch immer das Urteil ausfällt, es sage später niemand, man hätte nichts zu lesen oder die Möglichkeit zur Diskussion gehabt. Die Hinterhöfe dieser Viertel gelten oft als unsicher, aber dies wird wie so oft von jenen kolportiert, die sich dort noch niemals eine Nacht um die Ohne geschlagen haben.

Damit man sich bei all dem nicht verliert in den Weiten Neulands, trägt man sich ins Einwohnermeldeamt von about.me ein. Eine weniger pathetische, jedoch umso umfangreichere Straßentafel, die einen an vielen Kreuzungen nicht den Überblick verlieren lässt.
Hier findet man beispielsweise den Hinweis auf so spannende und boomende Orte wie Pinterest und Vine, aber auch auf nerdigere, hermetischere Enklaven wie Spreaker.
Früher gab es noch die lebendige Straßenkarte FourSquare, die den Bewohnern von Neuland spielerisch ermöglichte, sich in ihrem Bewegungsdrang zu messen. Doch der senile Bürgermeister von FourSquare verstand den Spieltrieb der Menschen nicht und zündete so selber die Lunte an, die sein Werk gerade implodieren lässt.

Das, liebe Freunde, waren nur die populären Landstriche von Neuland. Das Gute ist, dass es so unendlich viel zu entdecken gibt und noch besser ist für einige innovative Täler und Bergregionen wohl, dass der Mainstream-Tourismus sie wohl nie entdecken wird.

Hoffen wir, dass Boomtowns wie Whatsapp auch weiterhin die Massen anlocken und feiern wir die Vielfalt des Unbekannten.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Alle Links zum PORTER Album und Release-Gig

Ihr Lieben,

es ist ja fast soweit: das Release-Konzert zum PORTER-Album “Wolkenstein” steht unmittelbar bevor. Daher möchte ich Euch hier noch einmal ALLE wichtigen Links zum Event, aber auch zur Musik in einem Blog an die Hand geben.


D I E   M U S I K

Alle Songs von “Wolkenstein” könnt Ihr folgendermaßen hören, streamen, downloaden, beziehen, erwerben:

> Songs gratis hören und downloaden: soundcloud und myownmusic
 
> CD für nur 10,- € im Design Digifile inl. 12-seitigem Booklet kaufen, inkl. kostenloser Lieferung Frei Haus: Mail an markus@porter-online.de
 
> Songs digital kaufen: Auf allen relevanten Musikplattformen, das ganze Album schon ab 5,99 € z. B. amazon, iTunes, musicload, NokiaMusicStore, aber auch spotify, simfy und vielen andere


D A S   K O N Z E R T

> Karten für das CD-Release-Konzert am 5.10. im TREFF, Witten gibt es für 5,- € an der Abendkasse.
 
> ALLE Dauerkarteninhaber stehen übrigens am Samstag abend auf der Gästeliste
 

> Die Infos zur Veranstaltung auf Facebook
 
> Anfahrtsbeschreibung zum Veranstaltungsort
 
> Adresse: Mannesmannstraße 6 ° 58455 Witten ° Fon 02302 9666590
Mit dem Bus könnt ihr das Treff° problemlos mit dem 320er und dem 376er erreichen. Wenn’s später wird könnt ihr auch den Nachtexpress NE18 in Richtung Rüdinghausen nehmen. Die Haltestelle heißt “Oberstraße”.
Für die Gäste des Treff° und der WERK°STADT stehen kostenlose Parkplätze direkt vor der Tür zur Verfügung.

> Kurzfristige Fragen am Samstag richtet Ihr am Besten an uns via Twitter an @derherrgott oder via Facebook an PORTER

Und nun bleibt uns die unglaubliche Vorfreude zu genießen – und zwar auf Euch!
Eure freudlichen PORTERs von nebenan!

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