Gebundenes Hardcover, coloriert und illustriert: "DER VIROLOGISCHE MAGNET"

Mittwoch, 4. März 2015

Habe die Barriehre.

Die komplette Welt ist getrennt in drinnen und draußen.
Ist das nicht irre.

Vor allem: eben war ich noch draußen und jetzt bin ich dennoch drinnen.
Ist das nicht verrückt?

Ich habe also mal eben eine Barriere überwunden, die die gesamte Welt trennt.

Eben habe ich versucht, das meinem Hund zu erklären. Also ...

Aber Ihr - IHR versteht das, oder?

Habe die Barriehre.


Freitag, 27. Februar 2015

16 kleine Zeilen für Respekt

Zu voll uns`re Pfosten,
Zu leer die Betriebe,
Gehackt sind die Fressen,
Mit Sand im Getriebe.

Geblitzt all die Birnen,
Entlarvt unter Zoten,
Dem einen das Leben,
dem and`ren die Toten.

Den Schein uns`ren Heil`gen,
Der Weisheit das Leben,
Den Nazis den Finger,
Den Mut soll`s erheben.

Gegeigt all den Ärschen,
Der Marsch wird geblasen,
Steht auf für die Freiheit,
Den Fingern die Nasen. 

-----


Montag, 23. Februar 2015

Musik - mehr geht nicht!

Es gibt genügend Gründe Musik zu mögen, Musik zu lieben Musik zu leben, Musik zum Leben zu brauchen.

Der eine, der alles entscheidende Grund, der Ursprung, der Auslöser, der Anfang von allem - den legt ein jeder von uns selbst. Oder wird sanft darauf gestoßen. Zumeist unterstützt von pubertären Erlebnissen ganz gleich welcher Art -  alles ist wichtig, wenn Du 14 bist!

Der Grund ist nicht selten ein Konzert. Ein den ganzen Körper - Herz, Bauch und Kopf - erfassendes Erlebnis. Und dabei ist es im Grunde genommen egal, welcher Art der Künstler ist, der einen da durchströmt - solange es nicht Florian Silbereisen* ist.

Es erfasst Dich. Es packt Dich. Es reißt Dich mit - und lässt Dich mitreißen. Und wenn das alles einigermaßen gut läuft, lässt es Dich nie wieder los. Dann bist Du besessen und gleichermaßen Besitzer.

Also verwaltet Euer vermögen mit bedacht und genießt es.

-----

*oder nat. Helene Fischer, Stefan Mross, Andrea Berg, Michael Wendler, Heino, Micki Krause, Andreas Gabalier, Hansi Hinterseer, Michelle, Revolverheld, Pur, Christina Bach etc. (komplette Liste bitte in einschlägigen Onlinemagazinen downloaden)


Mittwoch, 18. Februar 2015

Zylinderkopfdichtung

Ein ulkig Antlitz schält sich gar
   aus nebulösem Ungewahr.

Die Schemen zeugen hier und dort
   von einem selt geformten Ort.

Zunächst metallisch dann schon Grau,
   es ist kein Mann und keine Frau.

Es hat zwei Augen, keinen Zopf,

   sieh an, s` ist ein Zylinderkopf.


Sonntag, 15. Februar 2015

Pofalla Gaburt - die Geschichte zum Weinen (Bibeltext)

Aus Markus 2 (neue Übersetzung)

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Volke ausging, dass alle Könige und sonstigen Herrscher - egal wie unfähig er auch sein mochte - geschätzt würden.
Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Angela Landpfleger von Deutschland war.
Und jeder König und sonstige Herrscher - egal wie unfähig er auch sein mochte - ging, dass er sich
schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.
Da machte sich auch Ronald Pofalla - egal wie unfähig er auch sein mag - auf aus Nordrhein
Westfalen, aus der Stadt Weeze, in das Berliner Land zur Stadt Berlin, die da heißt - ja doch - Berlin, darum dass er ehedem und warum auch immer von dem Kabinette Merkel II war,
auf das er sich schätzen ließe mit der CDU, seinem vertrauten Weibe, die ward unheilschwanger.
Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie noch mehr misslich Ding gebären sollte.
Und sie gebar ihre nächste Tochter, eine verbale Entgleisung, und wickelte sie in Windeln und legte sie in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum im Kanzleramt.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet Euch nicht aber, ich kann Eure Fressen nicht mehr sehen! Dennoch, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Pofalla - egal wie unfähig er auch sein mag -, der Entgleisende, in der Stadt Angelas.
12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Ding in graues Anzugleinen gewickelt und in einer Krippe schimpfend.
13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
14 Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und Pofalla ein Wohlgefallen.
15 Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Berlinehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR kundgetan hat.
16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Pofalla und seine Entgleisung, dazu einen Riesenscheck von der Deutschen Bahn in der Krippe liegend.
17 Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von dieser Entgleisung gesagt war.
18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.
19  Pofalla - egal wie unfähig er auch sein mag - aber behielt alle diese Worte - und den Scheck - und bewegte sie in seinem Herzen.
20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
21 Und da acht Tage um waren, dass Pofalla - egal wie unfähig er auch sein mag - beschnitten würde, da ward sein Name genannt Achduheiligebimbahn, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn empfangen ward.
22 Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mammons kamen, brachten sie ihn gen Berlinehem, auf dass sie ihn darstellten dem HERRN
23 (wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des HERRN: "Allerlei Männliches, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem HERRN geheiligt heißen") (Anm. des Verf.: Dieses Ding von wegen männlich und so, steht nicht ganz umsonst im Klammern)
24 und dass sie gäben das Opfer, wie es gesagt ist im Gesetz des HERRN: "Ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben - oder wenigstens eine Überwachungs- und Spionageaffaire ."
28 da nahm irgendwer ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
29 HERR, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;
30 denn meine Augen haben Deinen Vertrag gesehen,
31 welchen du bereitest (und selbstverschändlich unterschrieben) hast vor allen Völkern,
32 ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Deutschland.
33 Und seine Frau und seine Mutter wunderten sich gar nicht so dolle des, dass von ihm geredet ward.
34 Und jemand segnete sie alle zusammen und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Deutschland und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird
35 (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), auf dass vieler Herzen Gedanken offenbar werden.
40 Aber das Pofalla - egal wie unfähig es auch sein mag - wuchs und ward stark im Konto, voller Verschlagenheit, und Grubes Gnade war bei ihm.
41 Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Berlinehem auf das Osterfest - gsuffa.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so neh`m sie auch noch heute 
- egal wie unfähig sie auch sein mögen











(Bildquelle: Wikipedia)

Dienstag, 3. Februar 2015

50 Shades Of Gassi

Es gibt unzählige Möglichkeiten mit seinem Hund spazieren zu gehen.
Lang, kurz, gediegen, normal, öde, spannend, anstrengend, entspannend, sportlich oder chillend. Wenn ich persönlich genug Zeit habe, bevorzuge ich natürlich die ausgiebigen Touren, die – wenn möglich – neue Wege erkunden und andere in neue Zusammenhänge setzen. So etwas ist im Urlaub natürlich weitaus einfacher, als im Alltag.
Ja, ich habe einen neuen Blog im Portfolio:
Hier werden sich - einigermaßen ironiefrei - einige Beispielrouten sammeln. Alltag und Urlaub betreffend. Das passiert logischerweise sukzessiv, daher fangen wir doch einfach erst einmal an.

HIER findet Ihr den ersten Beitrag "Vom Pustenberg zum Oefterbach" in Essen.

Grüße vom Markus
aka @derherrgott









Montag, 26. Januar 2015

Hänseln kommt vorm Greteln - was meinen Sie?

Hänseln kommt vorm Greteln!

Was zunächst lustig klingt, ist vergenderter ernst.

Bedeutet dies, dass Hänsel der Gretel ob seiner vorstelligen Nennung vorgezogen, also bevorzugt wird? Nun gibt es so einige die da aufgrund dieser Feststellung fordern, dass man Hänsel wegen dieser offenkundiger Frauenfeindlichkeit schlicht aus dem bekannten Märchen entfernen sollte. Ist ein Mann namens Hänsel also gar qua Geburt seiner eventuellen Schwester namens Gretel im Vorteil? Diese Frage wird man doch wohl noch stellen dürfen.

Andere Stimmen sehen es genau anders herum. Hänsel sei aufgrund der negativen und stets mitschwingenden Konnotation seines Namens in Folge seiner Verwendung im Alltag bereits genug gestraft und Gretel käme - gepuffert durch Hänsels Erstgenanntheit - zu gut weg. Folgerichtig müsse Gretel entweder nach vorne gestellt, eventuell sogar ganz entfernt oder wenigstens ein Tiefdruckgebiet nach ihr benannt werden.

Ich gestehe, ich bin noch unschlüssig - wie sehen Sie das?


Sonntag, 25. Januar 2015

Rote Fäden und ihr Wert für eine polychrome Gesellschaft

Der rote Faden ist ein oft als spießig empfunden Ding. 
Doch im Grunde seines Seins hilft er doch zumeist.

Was wie eine (hier falsch vermutete) Verneinung des Zufalls klingen mag, ist die simple Erkenntnis, dass Signalfarben ihren Namen stets zu recht tragen.

Wenn einem der rote Faden fehlt, ist es oftmals viel näher zur roten Linie. Und zwar hin zu jener, von deren Existenz man eventuell nicht einmal die Kenntnis hatte. Nicht die rote Linie eines Obama, nicht die einer Merkel. Die rote Linie eines jeden selbst.

Rote Linien sind absolut subjektive Grenzen, die - mal Konsens, mal Selbstschutz, auch mal Egoismus oder Willkür - ein Terrain abstecken, dessen geografische Grenzen keine Karten kennt. Es ist eine rein emotionale Trennung der eigenen Akzeptanz hin zu jenem vagen Ort, an den wir uns zu begeben nur schwer bewaffnet wagen.

Sind wir erst einmal so weit, der Mobilmachung nicht mehr ausweichen zu können, um unser Gesicht nicht zu verlieren, also auf die rote Linie zu marschieren zu müssen, weil wir sie dummerweise in einem Anflug mangelnden roten Fadens so fest gelegt haben, wird roter Alarm ausgelöst.

Im Grunde ist es jetzt bereits zu spät und es wird unweigerlich Alarmstufe Rot ausgelöst: wir sehen Rot.

Ein simpler Wert, jenseits der mathematischen Auffassung dieses Wortes, hätte eventuell das monochrome Farbenspiel verhindern können. Aber hey - rote Fäden sind ja spießig




Montag, 19. Januar 2015

Unkenntnis schützt vor Dummheit nicht

Feindlichkeit.

Dieses Teilwort steht inzwischen doch wirklich überall.

Da gibt es Fremdenfeindlichkeit. Ein Wort, das wenige ehrlicher Zunge aussprechen, doch viele, deren tun es beschreibt. Da gibt es Islamfeindlichkeit. Zumeist ausgesprochen von Menschen, die keinen Schimmer haben, was der Islam überhaupt sein soll. Es gibt beinahe so viele Feindlichkeiten, wie Ismen. Ismen sind die Endung von beinahe allem Schönen. Gut, den Optimismus einmal ausgenommen.

Feindlichkeit.

Keines dieser schönen Worte, die es zur Genüge gibt. Feindlichkeit sagt im Grunde schon alles aus, was die Träger dieses Begriffes auf ihren im Durchschnitt (ein wundervolles, beschreibendes Wort) arg pathetisch wehenden Fahnen vor sich herschieben. Ein Wort, das die klare Luft, jene, die das Atmen ermöglicht verdrängt, vergiftet.

Jemandes Feind sein ist im Grunde erst einmal nichts Schlimmes. Positionen erden ja auch. Lassen einen einen ideellen Ort bewohnen, eine Basis schaffen für das eigene Denken, das eigene Empfinden und Handeln. Wenn aber die feindlichen Gesinnungen die Überhand gewinnen gegen die freundlichen, hat man ein Problem. Und zwar mit anderen. Ich weiß, nicht jedem ist es gegeben, Freude zu empfinden, Glück wahr zu nehmen, sein Sein als etwas Schönes zu begreifen. Und ich weiß auch, welch großes Glück es ist, dass ich es kann. Aber wenn man sich nur noch von Feinden umgeben wähnt, ist es eventuell an der Zeit, sich selbst in Frage zu stellen.

Feindlichkeit.

Ja, stimmt, man kann sich ja auch immer noch gegen etwas wenden. Am Besten im Kreise derer, die bereits über ein ausgeprägtes, wohl formuliertes Feindbild verfügen, das dem eigenen Ekelbedürfnis am Nächsten kommt. Wenn man es kann. Wenn die Messlatte des eigenen Anspruchs bereits so tief liegt, dass man sie bequem unterlaufen kann.

Wenn man seinen eigenen Ekel soweit zurück drängt, dass man die Ideale der anderen als seine eigenen begreifen kann. Wenn man sich dann am Ende doch irgendwie selbst verleugnet.

Und: Es ist so unsagbar einfach gegen etwas zu sein.

Wie viel mehr Energie kostet es doch, für etwas zu sein. Einen positiven Gegenentwurf zu präsentieren gegen jenes Übel, das man doch als so unertragbar empfindet.

Feindlichkeit.

Klingt - spätestens beim 4. Mal so tumb, wie es im Grunde immer ist. Daher gilt eben auch: es ist keine Ausrede, nicht zu wissen, welche Worte dieses Teilwort in oftmals bösartiger Art ergänzt.  

Unkenntnis schützt vor Dummheit nicht. 






Mittwoch, 14. Januar 2015

Nathan Gray, von Wölfen und baptistischen Riten - die erste Solo EP

Ich bin leider immer so unendlich erwartungsvoll, wenn es um meine Helden geht.


Besonders, wenn es um die Helden geht, die ich schon lange auf den Schild hebe und deren Werk mir, jenseits von einer guten Zeit und cooler Musik, WIRKLICH etwas bedeutet! Und wie bereits bei der BOYSETSFIRE-Reunion und den unfassbar genialen, letztjährigen Geburtstagskonzerten, hält Nathan Gray hier alles, was das Fanherz erwartet. 



Ich bin mittlerweile 43 Jahre alt und an Nathan Gray, an BOYSETSFIRE und auch an I AM HERESY spüre ich immer wieder, was es bedeutet, ein Fan zu sein! Ich liebe diese kleine, 4 Song umfassende Scheibe jetzt schon, und entgegen so vieler Meinungen finde ich nicht, dass sich dieses Material grundsätzlich von den beiden Hauptbands unterscheidet. Klar, stilistisch drängeln sich hier Indie, Postrock, Ambient und Electronic ganz klar vor den wundervollen Hardcore und den scharfen Metal. Aber: waren es nicht auch bei BOYSETSFIRE schon immer die Momente der Ruhe, der Zerbrechlichkeit, der Melancholie, die die brutalen Passagen erst ermöglicht haben? 

Vielmehr sind es die Stimme, die Melodie, der Text von Nathan Gray, die alles zusammen halten, es zu etwas Besonderem machen! 5 Sterne für eine tolle EP, der bitte, bitte ganz viele Songs nachfolgen mögen!

Sphärisch, dicht, intim, zum die Tränen in die Augen treiben - vor Glück! Danke!



-----

Listen to Nthn Gry

Dienstag, 13. Januar 2015

Oft ist es Unachtsamkeit

Oft ist es Unachtsamkeit, genau so oft gewiss schlicht die fehlende Zeit.

Was sich anhört wie eine Entschuldigung, ist im Grunde nur die Erkenntnis, niemals allem - wichtiger: allen - gerecht werden zu können. 

Ich denke, es ist okay. Wirklich. Obschon ich tief in meinem Herzen denke, dass es das nicht ist. Was soll man machen. Zeit ist endlich und man tut sich selbst - vor allem sich selbst (und das ist wichtig, jenseits allen Anscheins von Egoismus) - einen großen Gefallen, diesen Umstand zu akzeptieren. 

Akzeptanz gegen (ist es hier nicht vielmehr ein für?) sich selbst - ja genau, diese Akzeptanz, die man anderen ständig empfehlen, aufdrängen, ja befehlen möchte - ist die Basis von allem. Ich akzeptiere Jahr für Jahr mehr die Tatsachen, die sich nicht ändern lassen. Das schafft Platz, Luft, Raum, setzt Energien frei, um die Dinge anzupacken, die sich ändern lassen.

Ja, man verletzt, man vernachlässigt, man verursacht Missverständnisse. Natürlich. Aber da muss man schon durch. Ich komme da durch. Ihr kommt da durch. Wir alle schaffen das. 

Wir wollen frei sein. Die meisten zumindest. Gestehen wir es uns gegenseitig zu.

-----


Dienstag, 30. Dezember 2014

Heiligabend - der Zeitbremsklotz


Weihnachten, mein Vater und warum die Ramones mich glücklich machen


Diese Nacht ist heilig, so sagt man. So glaubt man.

Und ich muss sagen, auch aus heutiger, erwachsener Sicht als lupenreiner Atheist (und ich möchte das lupenrein hier nicht in Gerhard Schröders pervertiertem Sinne verstanden wissen) ist sie etwas Besonderes, diese Nacht. Ich denke, das liegt daran, dass für einen kleinen Moment die Welt ein wenig zur Besinnung kommt. Sei es in Form überkitschter Traditionstümelei, sei es ein religiöses Zeremoniell, sei es das Zusammensitzen bei Speis und Trank, sei es ein Insichgehen, sei es etwas ganz anderes - eines ist jedoch irgendwie überall zu spüren: Diese Nacht ist anders als all die anderen Nächte.

Aber auch die frühen Kindheitserinnerungen - in meinem Fall ausnahmslos gute, möchte man heutzutage beinahe schlechten Gewissens hinzufügen - tragen ihr gerüttelt Maß hierzu bei.   

Bei mir ist es schlicht die Erinnerung - und hier sind es zumeist die lieben, die geliebten Menschen, mit denen man diesen heiligen Abend, überhaupt das gesamte Weihnachtsfest hindurch verbringen durfte und noch immer darf und in Zukunft wird verbringen dürfen - oder auch eben nicht.

Nichts gegen diese Momente, die ich immer schon genoss: an diesem Tag ein paar Takte der derzeitigen Lieblingsmusik zu hören. Musik, die man auch an anderen Tagen hört, deren Noten jedoch seltsamerweise an diesem einen Tag so anders, so besonders klingen und eben für alle folgenden Jahre als besonders empfunden hängen bleiben werden - die Ramones mit dem für mich wohl bis in alle Ewigkeit so sakral klingenden, ganz persönlichen „Weihnachtslied“ „Something To Believe In“. Alice Cooper mit dem inzwischen etwa 40 Jahre alten „Coming Home“. Helloween seltsamerweise mit dem Thrashmetalkiller „Gorgar“.     

Aber: dieses Erlebnis, diese Momente wären mir wohl kaum bewusst geworden, ohne die Menschen, die mir das Besondere zu vermitteln in der Lage waren. Und wieder meine ich es hier in feinster Weise religiös.

Früher, also meine ersten noch verfügbaren Erinnerungen an Heiligabend, an Weihnachten betreffend, war es irgendwie das Gefühl totaler Geborgenheit. Das ganze Drumherum, also viele Menschen, natürlich auch ungeliebte Verwandte, ein unglaublich faszinierender Weihnachtsbaum, logischerweise Geschenke, aber - und das war damals schon so - diese ganz eigene Magie, die natürlich von meinen Eltern künstlich, aber genial überzeugend aufgebaut wurde. Klar waren Geschenke wichtig und ich habe mich über alles wie irre gefreut, aber vom Gefühl her war es die Tatsache, dass alle zusammen saßen und niemand irgend etwas anderes vorhatte.  

Dann als Heranwachsender, gerieten die Geschenke immer mehr in den Fokus des Interesses, keine Frage. Aber das Gefühl, dass alle zusammen ein Spiel spielten, empfinde ich noch heute als das Element, welches ich in dieser Zeit am meisten genoss.  

Später, als „reifer“ Teenager (hüstel) war es anders, natürlich. Dieses Gefühl, sich über etwas beinahe Unumstößliches hinwegzusetzen, wenn man den Vormittag über in seiner Stammkneipe mehr als vorglühte, um dann dem tradierten Teil des Festes recht angeschickert beizuwohnen, war irgendwie der nötige Freischwimmer-Ausweis, um genau das gleiche Fest nur ein paar Jahre später wieder genießen zu können. Menschen sind seltsam. Ich bin es auch. 

Irgendwie ist das Weihnachtsfest, dieser heilige Abend, ein untrüglicher Indikator dafür, dass Menschen, geliebte Menschen älter werden - spannender Weise spielt das eigene Altern bei mir hier so gut wie keine Rolle. Fehlen mir auch zwischendurch ein paar Facetten, Schritte, Etappen wie Menschen in den einzelnen Jahren so waren, stelle ich sie mir an Heiligabend vor, weiß ich ziemlich genau, wer wann was durch gemacht hat. Ich denke, mein Heiligabend ist so eine Art Zeitbremsklotz.   

Eigentlich, und das ist mir nicht erst an diesem Heiligabend, in dieser heiligen Nacht bewusst, fehlt mir gerade jetzt - und das extrem und sehr explizit - mein verstorbener Vater, der mich noch vor 4 Jahren mit seiner wundervollen Art und als großer Melancholiker zu Weihnachten darauf aufmerksam machte, dass es im Leben immer Rückschläge gibt, dass nicht immer alles so wird, wie man es sich dann doch im Grunde wünscht, dass es aber doch jeder einzelne Moment wert ist - dass das Leben es wert ist. Ich habe so viel von ihm gelernt, ich trage so viel von ihm in mir, und ich muss sagen, ja, an diesen heiligen Abenden bricht es dann wieder hervor. Da ist er wieder so präsent, als säße er hier mit uns am Tisch. Er hat niemals mit mir Helloweens „Gorgar“ gehört, er kannte die Ramones und Alice Cooper nicht einmal, er hätte es auch rein musikalisch nicht verstanden. Aber - und eigentlich zählt nur das - er hat immer gewollt, dass ich höre, was ich mag, weil ich es liebe. Er hat gewollt, dass es mir gut geht, dass ich tue was ich liebe. Vielleicht ist Liebe hier auch einfach das Stichwort.

Er hat mit seiner Art seinen so lange ich lebe niemals verschwindenden Beitrag dazu geleistet, dass ich Weihnachten als etwas Besonderes, etwas Schönes empfinden und erleben kann. Er war nie gläubig, er hat es aber auch niemandem jemals ausreden wollen, der es war. Und so kommen mir bei den Gedanken über meinen Vater auch all die wahrhaft bigotten Diskussionen in den Sinn, die man hier und dort hören muss, ob denn „Ungläubige“ wie ich Weihnachten feiern dürfen, oder ob denn Moslems einen Weihnachtsbaum haben dürfen, all die Diskussionen, die Menschen von etwas ab- und ausgrenzen wollen. 

Mein Vater ist als Kind in Zeiten des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen. Als Menschen an der politischen Macht wahren, die aus dem Ausgrenzen, der Angst vor Fremdem eine Staatsraison gemacht haben. Und wenn nun ich, immer noch Atheist, gerade jetzt - ausgerechnet zu Weihnachten - die marschierende Angst der Ungebildeten und Rückwärtsgerichteten auf unseren Straßen sehen muss, die den Hass und die blanke, irrationale Angst vor Fremden auf Plakaten vor sich hertragen, schäme ich mich ein klein wenig vor ihm. Er würde den Kopf schütteln, von den Zeiten seiner Kindheit reden, und davon, dass man gerade als Kind einer solchen Inszenierung natürlich auch aufsitzen könne, aber dass es für derartige Hetztiraden von Erwachsenen gegen Menschen, die flüchten müssen, gegen „Fremde“, gegen Minderheiten keine Entschuldigungen gebe. Recht hätte er. Recht hatte er.  

Und bei all dem denke ich: Ihr Spießer, Ihr Intoleranten, all Ihr Hasser, Ihr Vorschriftenmacher, Ihr „wahren“ Werteverteidiger - vielleicht gibt es einen Grund oder einen Auslöser in Eurer Kindheit, Eurer Biografie, die Euch das Hassen gelehrt hat, die es Euch leicht macht, Eure Parolen zu schwingen. Aber als Kind der Freiheit, und als solches werde ich mich Zeit meines Lebens empfinden, kann ich Euch, gerade in dieser einen Nacht, die mich melancholisch stimmt, aber auch aufbringt, gegen jedwedes Gedankengut, welches die Rechte, das Glück, die Lebensqualität von anders Denkenden beschränkt, nur sagen: 

Kümmert Euch um Euch selbst, kommt klar mit was auch immer Euch an einem glücklichen Leben hindert, werdet aktiv. Aber tut es für Euch - nicht gegen jemanden.   

Ansonsten kommt es für Euch ohnehin so, wie im Helloween-Song: „Gorgar will eat you!“ - Und das wollt Ihr nicht.

Ich freue mich für jeden von Euch von Herzen, der, die oder das es schafft glücklich zu sein. 

Habt eine wundervolle Weihnachtszeit und einen Guten Rutsch.








Dienstag, 23. Dezember 2014

Die Weihnachtsansprache 2014

Ihr Kinderlein (ja, kommen könnt Ihr auch?),

ich möchte Euch auf meine schlichte Art - und jene Schnelle, die man dem Verzehren einer zu konsumierenden Fischfrikadelle nachsagt - ein wundervolles Weihnachtsfest inmitten Eurer Lieben (inkludiert seien hier auch einmal generös und schnell, die nicht so Lieben), sowie einen fundamentösen (nein, nicht -talen, das ist dieser Tage einfach von viel zu vielen bildungsfernen Schwachsinnigen jeglicher Couleur - von religiös Verirrten bis hin zu nazional ungebildeten dank BILD, RTL II und tumben Vorurteilen - zu mies besetzt), von explodierendem Brot oder auch chinesischen Schwarzpulverdelikatösen begleiteten Rutsch wünschen, den Ihr bitte mit ordentlichem Bumms aber sich ziemend geordnet und in an- wie entsprechender Begleitung wahrnehmt, damit Ihr mir auch im Neuen Jahr in ganzen Stücken erhalten geblieben sein werdet.  

Ich weiß, Ihr gehört zu den Aufrechten und Guten! Seid einfach lieb zueinander. 
Humanum genus et orbi.

Stößchen - auf Euch und ein Jahr voller Kreativität, Spannung und Anspruch aber ohne Menschen, die andere aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Sexualität oder der Farbe der Herzchen bewehrten Flicken auf ihren Hosen verurteilen!

FREIHEIT - Euer Malkurs
(1 Stunde Unterricht nur 40,- € - irre)



Freitag, 21. November 2014

Wenn die Würde des Menschen könnte, wie sie müsste

Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Oft gelesen, oft bemüht, oft ignoriert.

Grundgesetze ranken sich um diese Formulierung, wie Efeu sich an Mauerwerken festkrallt. Sie verziert den Überbau mit angenehm humanistischer Farbe. Sie bietet Halt und steckt den Rahmen ab. Mitunter dient sie auch der Tarnung. Dann verleiht sie auch offenkundig menschenverachtenden Regimen den Ruch der Akzeptanz.

Und das ist auch schon ihr Hauptproblem.

Sie wird auch in gemeinhin als rechtsstaatlich wahr genommenen Staatsgebilden zu oft lediglich im wortwörtlichen Konjunktiv gelebt, zu oft nur theoretisch, wohlwollend angewendet. Ganz als wäre sie eine schöne Dreingabe, ein Bonusrecht, welches so allgemeingültig selbstverständlich scheint, dass man auf seine Durchsetzung nicht zu pochen braucht. Steht sie doch zumeist ganz vorne in der Reihe schöner Aufzählungen, der im Grunde dem gesunden Menschenverstand entsprungenen Festzurrungen menschlichen Miteinanders. 

Wird die Würde hier wie selbstverständlich als real existierend vorausgesetzt, dort wie selbstverständlich als Deckmantel für das genaue Gegenteil missbraucht, leidet sie, nimmt Schaden - hier und dort. Die einen hier, die sich aufrecht wähnen, halten das von ihnen angewandte Niveau von Menschenwürde angesichts der dort mangelhaft oder gleich gar nicht stattfindenden Anwendung für das Maß aller Dinge. Die anderen dort, die sich, bewusst ihrer Lüge, der Zurschaustellung der Würde bedienen, reagieren auf diese Hybris der vermeidlich Aufrechten mit weiterem Mauern. 

Gespräche zwischen Gleichgesinnten können befruchtend sein. Oder auch langweilig, weil vorhersehbar. Vorwürfe zwischen zwei Weltanschauungen, die sich zudem gegenseitig in ihrem Würdebegriff beschädigen, sind zumeist das Ende jedes Dialoges, noch bevor ein Gespräch im Raum gestanden hätte.

Die einen hier können aufgrund ihrer empfundenen Moralvorherrschaft im Diskurs nach außen kaum Raum preis geben, orientieren sich unterbewusst, also indirekt aber dennoch an der neuen Mitte zwischen den Positionen und Feilen die Ränder ihrer Wahrnehmung von Würde schon einmal rund.

Die anderen dort sind schon alleine aus Gründen der nach innen gerichteten Standfestigkeit, denn stets droht von innen die Gefahr in derartigen Systemen, dazu verdammt, den Spielraum ihres Würdebegriffs nicht allzu üppig werden zu lassen. 

Stehen sich zwei System gegenüber, die schon von vornherein, aus existenzbegründenden Anlagen eine allzu weit auseinander liegende Auffassung von Würde haben, stirbt diese auf beiden Seiten. Hier vielleicht etwas mehr, dort vielleicht etwas weniger. 

Die Würde des Menschen wird so beständig angetastet. Auch und vielleicht sogar im Endeffekt diese noch nachhaltiger beschädigend von denen, die sie sich eigentlich auf die Fahne geschrieben haben. 

Passen wir gut auf sie auf. 

-----
Viele, viele, bunte Blogpostleser die das gelesen haben, lasen auch:
Konsumenten und Vokalisten