Der @herrgott ist hoch erfreut.


Gebundenes Hardcover, coloriert und illustriert: "DER VIROLOGISCHE MAGNET"

Dienstag, 28. Oktober 2014

Ein Platz für Kunst

Man kann der Kunst im Grunde gar nicht genug Platz einräumen. Was aber wäre, wenn man einen der größten Ballungsräume der Welt zum Kunstgebiet erklärt?

Der Gedanke entstand irgendwann im Jahr 2013. Und wie jede wirklich gute Idee, wuchs das Projekt von innen heraus seit dem ersten Tag immer weiter. Ging es zunächst im Grunde "nur" darum, die unglaublich reichhaltig vorhandenen Kunstwerke im öffentlichen Raum des Ruhrgebiets zu katalogisieren, entwickelte sich schnell eine Plattform, die plötzlich viel mehr wurde, als ein Online-Register. Mit Biografien über Künstler aus dem Ruhrgebiet, kunsthistorische Betrachtungen über die Kunstwerke selber, ausgearbeitete Routen quer durch das Ruhrgebiet, über einen eigenen Blog und die Aufarbeitung der Kunstgeschichte des Ruhrgebiets seit 1840, bis hin zu einer eigenen Rubrik für Kinder und Jugendliche, sowie ein Schwarzes Brett über das Künstler an Atelierräume, Ausschreibungen oder Stipendien kommen können, wuchs die einstmalige Idee im Laufe des Jahres zu einem umfangreichen, digitalen Kunstführer für das Ruhrgebiet.

Unser Ziel ist es - gefördert von der RAG Stiftung - die Vielfalt der öffentlichen Kunst im Ruhrgebiet zu erfassen, aufzuzeigen und den Menschen nahe zu bringen. Derzeit läuft für uns Stuart Nicol, unser Kunstblogger, 53 Tage lang durch alle 53 Städte des Ruhrgebiets und lernt dabei, unterstützt von unserer Redaktion, Land, Leute, Kunst und Geschichten kennen. An diesen lassen wir alle Kunstfreunde auf facebook, twitter, google+, tumblr, instagram, soundcloud und pinterest teilhaben. Es ist unglaublich, welche Einsichten in das Leben mit und von der Kunst man hier bekommt. Jeden tag überrascht Stuart uns mit neuen interessanten Geschichten aus den 53 Städten der Region.

Falls es Euch interessiert, wären wir überaus erfreut, wenn Ihr uns - und Stuart - unter dem Hashtag #StuartNicol hier oder da begleiten würdet ;-)

FACEBOOK: http://www.facebook.de/kunstgebiet.ruhr
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Ich danke Euch für Eure Zeit, 
Glückauf!


Donnerstag, 23. Oktober 2014

Die Neuverformung der Wirklichkeit

Pixel türmen sich übereinander. Funkelnde Farbklötze bilden Landschaften, Gegenstände, Menschen. Bunte Klötze werden zu Bewegung, verschwimmen schließlich doch wieder zu vage definierbaren Massen.

Natürlich war es ein langer Weg. Es ist auch kaum schöner geworden. Nicht im Wortsinn. Brillanz und Schärfe sind eine der härtesten Währungen derzeit. Dem Sehenden schlägt die Stunde. Dem Sehenden gehört die Welt. Die Welt der Sehenden. Ja, die Sehenden. Was sehen die eigentlich? Sie hatte sich schon immer gefragt, was das soll. Sehen. Was nutzte es zu sehen, wenn man es doch nicht zu benutzen verstand. Wenn man es im Grunde gar nicht verstand.

Es nervte sie schon, seit sie zu denken gelernt hatte. Seit sie spürte, wie sehr das Sehen die Realität zu beeinflussen verstand. Mitunter auch das Gesehenwerden. Es kam ihr einfach falsch vor. Es war falsch, wie die Menschen es lernten. Es war falsch, wie unabhängig das Sehen vom Denken funktionierte. Es war einfach grauenhaft falsch, dass das Sehen so beeinflussbar war, dass es jedem Zweck zu Kreuze kriechen muss, dass es als Wasserträger für so viele schlechte Gedanken herhalten musste.

Irgendwann beschloss sie einfach damit aufzuhören. Es passierte von jetzt auf gleich. Sie war gerade 15 geworden. Ihre Eltern hätten ihr etwas aus ihrer Sicht Wunderbares schenken wollen, sie hatte auch gar nicht die Absicht, sie vor den Kopf zu stoßen. Dennoch hörte sie einfach auf. Sie hörte auf und im gleichen Moment hörte es auf. Alles verschwamm vor ihren Augen, wurde unscharf, schmolz zusammen. Es wurde fließend. Eine unmerkbare, kurze Sekunde des Ungewohnten, ließ sie das Grinsen, das unmittelbar auf sie folgte, sie sofort ausfüllen, wie einen sie bar jeder Bedrohung durchströmenden Lavastrom, der jede Zelle in ihr vor Glück fast zu sprengen drohte.

In dem Moment, da sie es einfach sein ließ, begann sie klar zu sehen. Der Verlust bereicherte sie derart, dass sie beschloss, das es gut war. Sie beschloss es und sie fühlte es. Niemand, wirklich niemand verstand sie. Wie auch. In den folgenden Monaten wurde Hilfe eingeholt, von allen, wirklich allen Seiten. Hilfe, die natürlich scheiterte. Hilf niemals einem glücklichen Menschen, der sich nicht helfen lassen möchte. Sie war in der Tat ganz in der Nähe von glücklich.

Doch seit einiger Zeit spürte sie etwas Seltsames. Die sich umeinander tummelnden Pixel begannen ein seltsames Eigenleben. Sie scharrten sich umeinander, ja sie rotteten sich zu überschäumenden Gesamtbildern zusammen. Als es ihr bewusst wurde, erschrak Sie derart, dass sie sich um eine Klarheit bemühen musste, derer habhaft zu sein, sie sich mit einigem Aufwand überwinden musste. Die verwischten Klumpen begannen sie der Deutungshoheit zu berauben. Die sich plötzlich wieder abzeichnenden Bilder wurden auf eine perverse Art klar vor ihren Augen. Vor diesen Augen, die sie doch verlernt hatte zu benutzen, denen sie nie wieder trauen wollte. 

So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte ihren Augen weiterhin befehlen, ihr die Informationen zu liefern, die sie bereit war wahrzunehmen. Sie konnte das alles, was sie immer gewollt hatte. Nur hatte sie nicht damit gerechnet, dass ihr Kopf, Ihr Gehirn, Ihr Verstand auch aus dem bisschen Datenmüll all das zusammen setzte, was sie beschlossen hatte nie wieder sehen zu wollen. Pixel um Pixel ergänzten sich. Klotz um Klotz begannen einen Tanz um sich selbst. Die Neuverformung der Wirklichkeit hatte begonnen. Sie versuchte alles, um den Wahnsinn weg zu wünschen. Ihr Wille verweigerte ihr den Gehorsam, drängte sie in genau die Ecke, die sie durch ihre Entscheidung auf ewig zu verlassen suchte. Pixel um Pixel, Klotz um Klotz, Farbmatsche um Farbmatsche umkreisten sie, prügelten auf sie ein, hagelten ihr Lichtblitze ins Hirn, folterten ihre Gedanken mit Realität bis ... ja bis ...

Irgendwann beschließt man einfach damit aufzuhören.




Mittwoch, 15. Oktober 2014

Das 11er-Award-Stöckchen

Na toll!

Der wundersame, aber in seiner Genialität und Größe unübertroffene Westsideblogger scheint in dem Glauben behaftet zu sein, ich wäre der Inhaber von schlicht viel zu viel Zeit. Daher hat er mir dieses nette - ELFSTUFIGE - Blockstöckchen zugeworfen in Form eines Awards, gegen das die Icebucket-Challenge ein simpel zu inszenierendes Kinderspiel war, welches ich einfach abzulehnen die Härte nicht besitze. Daher beantworte ich hiermit die ELF Fragen und versuche, wie schon meine Vorgänger, die folgenden Regeln einzuhalten:
  • Verlinke die Person, die dich nominiert hat
  • Beantworte die gestellten Fragen
  • Nominiere weitere 11 Blogger
  • Stelle weitere 11 von Dir ausgedachte Fragen an Deine Nominierten
  • Sag den Nominierten Bescheid, dass sie wissen, dass sie von Dir nominiert wurden.

1. Wie nimmst du Veränderungen war und wie gehst du mit ihnen um? (z.B. Änderungen von Produktnamen, Softwareupdates, geänderte Formulare etc…)
Gar nicht. Ich arbeite einfach mit ihnen und wundere mich dann, wenn ich gefragt werde, wie ich Veränderungen wahrnehme und wie ich mit ihnen umgehe (z. B. Änderungen von Produktnamen, Softwareupdates, geänderte Formulare etc. ...).

2. Stell dir vor, du kannst dich kreativ frei entfalten, was gehst du an?
Ich schreibe, male, mache drauf los und entwickele dann beim Machen das Konzept, den Überbau, die von mir bereits überbaute Basis. 

3. Wo hört Kunst für dich auf und wo fängt Ware an?
Einzig beim Gefühl. Ist es echt, was Du fühlst beim Erstellen eines Werks, ist es Kunst. Egal ob Du es später verkaufst, verschenkst, behälst oder zerstörst.

4. Was ist dein Beitrag zur Kultur? (In deinem Ort, der Welt, deiner Straße oder sonst wo)
Ich will nicht zerstreut oder gar Hybris gesteuert wirken, aber ich denke überall. Ich mache zu viele Sachen, alleine schon vom Sujet her, als dass ich da noch den Überblick hätte- Das netz hilft ein wenig zu katalogisieren, aber im Grunde ist es ja auch egal wo und was, Hauptsache man macht was. 

5. Zahnpasta. Reicht sie dir, oder kaust du noch zusätzlich irgendeine Baumrinde?
Ich habe solange Baumrinder gekaut, wie es ökologisch vertretbar war. Zudem ist es irre schwer geworden, die Viecher von den Bäumen runter zu bekommen. Verdammte Evolution. 

6. Hast du einen Fernseher und benutzt ihn? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
Ich benutze ihn. Für Tatort und diverse Nachrichtensendungen. Zu mehr taugen die Dinger ja nicht, seitdem sie so flach geworden sind. Früher konnte man Blumenvasen drauf drapieren, Thermometer aufstellen, die Dartscheibe anlehnen ... ach ja, früher ... 
  
7. Rückblickend betrachtet, denkst du, das Leben ist eher zufällig mit dir umgegangen, oder siehst du einen Plan (deinen eigenen, den deiner Eltern, den Masterplan)?
Alles reiner Zufall, gestützt und begünstigt von meinen Eltern, meinen Freunden, meinem Umfeld. Jaja, eigentlich müsste man mir - qua meiner Existenz - ja einen Masterplan unterstellen, aber da muss ich Euch alle leider enttäuschen. 

8. Glückwunsch! Du bist bis hier hin gekommen. Ab jetzt wird es weitergehen. :-) Was also wünscht du dir für dein Weblog?
Ich wünsche mir, dass ich auf diesen Blogstöckchen-Post 1 Million Leser bekomme.

9. Führst du eine offene Punkte Liste? Womit, warum und was fühlst du, wenn du Dinge nicht erledigen kannst?
Ich führe immer mal wieder Listen, bis die nicht erledigten Punkte so oft verändert (oder missachtet) wurden, dass ich lieber eine neue mache. So schleichen sich ein paar Dinge jahrelang mit durch. Ist aber auch okay, hat man etwas, das man schon lange gut kennt. 

10. Glaubst du an das fahrerlose Auto der Zukunft?
Wenn niemand drin sitzt, sehe ich generell keinen Sinn mehr in Autos.

11. Böse. An wen denkst du bei diesem Wort sofort?
Derzeit denke ich dabei natürlich an den IS. Generell ansonsten immer an RTL, Sekten, R`n`B, Volksmusik und Schlager, Leithammel wie Putin oder Erdogan, Rosenkohl (der ewige FEIND) und die Dummheit. 


Und nun die wundersamen Fragen an die glücklichen 11, die ich nachfolgend mit dem Stöckchen bewerfe - sie mögen es mir nachsehen.

1. Was ist Dein allererstes Internet-Erlebnis, an das Du Dich erinnerst?
2. Was war Dein allererster Internet-Provider?
3. Wenn Du könntest wie Du wolltest, welches Essen würdest Du Dir mindestens drei mal die Woche zubereiten?
4. Wie sehr beeindrucken und beeinflussen Dich derzeit die täglichen Nachrichten aus der Weltpolitik?
5. Warum heißt Dein Blog eigentlich so?
6. Wie würdest Du gerne heißen, wenn Dir Deine Eltern in dieser Wahl nicht bereits vorweg gegriffen hätten?
7. Auf eine einsame Insel OHNE WLAN würdest Du mitnehmen ... ?
8. Das Deiner Meinung nach friedlichste Land auf der Welt und warum ist das so?
9. Was bedeutet für Dich Toleranz?
10. Mit wem würdest Du am Liebsten einmal eine lange Kneipennacht verbringen und warum?
11. Twitter oder Facebook?


Sodele, nun also meine Nominierungen (Verzeihung):


Montag, 13. Oktober 2014

Konsumenten und Vokalisten

Das Alphabet gibt es vor. Es gibt Konsonanten und Vokale. Genauso gibt es Konsumenten und Vokalisten. Es besteht beinahe immer und überall die Möglichkeit, passiv aufzusaugen oder aktiv abzugeben.

Das Eine schließt das Andere im Übrigen weder aus, noch zementiert sich Dieses über Jenes. Eine gewisse Tendenz ist jedoch in jedem Handeln oder auch Bleibenlassen auszumachen.

Mitschwingend beobachte ich im sogenannten Real Life, als auch im Netz (wer wäre gerade ich, hier die Trennlinie kantenscharf zu ziehen), dass sich die quantitativ weit überlegene Gruppe der Bleibenlasser durchaus mit einer gewissen Freude dazu hinreißen lässt, die Minorität der Handelnden in einer Weise zu kritisieren, die Missgunst auf den tönernen Füßen des Neids nahelegen lässt. Das hält sie jedoch nicht ansatzweise davon ab, das Aufgesogene in Form von massig verbreiteten Links und lustigen Bildchen ihrerseits zu verbreiten. Denn man trägt ja lieber eine gebrauchte, fremde Meinung auf, als sich nackt und inhaltslos zu zeigen. 

Weder möchte ich die Gruppe der passiven Nörgler hier an den neuzeitlichen Pranger stellen, noch mich lobend zum Anwalt der durch ihre Offenheit aktiv auftretenden Angreifbaren machen.

Ich möchte einfach mal nur breit grinsen. Und dieses Gefühl kurz genießen. 



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Sonntag, 5. Oktober 2014

Warum Museen ungesund sind

Zunächst: ich mag Museen. Egal ob zeitgenössische Kunst oder alte Meister, Ramones oder alte Bügeleisen, Schokolade oder Naturkunst. Bier oder Skulpturen. Das muss ich vorweg schicken, da Sie sonst meinen könnten, ich wäre ein Museumsgegner.

Ich bin weiß Gott inzwischen, bis auf ein paar Ausnahmen, kein Sammler und Horter mehr, aber ich mag den Gedanken, dass sich Menschen um Dinge kümmern. Dass es für jede Sache im Grunde jemanden gibt, der sich verantwortlich fühlt. Ich mag die die Bewahrer, die Beschützer.

Was mir aber just bei dem Bummel durch das Museum Ludwig wieder aufgefallen ist, ist das sich mit Betreten, zumindest eines klassischen Museums, auffallend verändernde Verhalten der Besucher. War man zuvor noch in lautstarke Unterhaltungen vertieft, verfällt man nun in ehrfürchtigen Flüsterton. Ging man bis zur Kasse noch strammen Schrittes, schreitet man spätestens ab der Garderobe geradezu über den spiegelnden Boden und gelangt unwillkürlich in jenen langsamen Schlurfgang, der einem bereits nach 30 Minuten die Beine schwer wie Blei werden lässt.

Ich schätze es ist die Mischung aus der Erhabenheit, die die Kunstwerke ausstrahlen und ein leicht devotes Verhalten ihnen gegenüber einfordert und der einschüchternden Präsenz der allgegenwärtig herum stehenden Museumsaufpasser. Im übrigen einer - so glaube ich - der zermürbendsten Jobs überhaupt. Ich habe nicht die geringste Ahnung, ob die "Ja nicht zu nah rangehen"-Aufpasser (die nirgendwo schärfer sind, als die Beißer im Essener Museum Folkwang) allesamt Holzbeine haben und lobotomisiert sind, anders kann ich mir auf jeden Fall nicht erklären, dass man diese körperliche wie geistige Stoik ertragen kann.



Doch zurück zu meinen Beinen und ihrem seltsamen Verhalten. Ausgedehnte Museumsbesuche killen mich körperlich genauso, wie stundenlanges Bummeln (da ist es wieder) durch die zubetonierten Einkaufsmeilen der Städte. So gesehen, müssten Frauen für Museumsbesuche geradezu trainiert sein und eventuell sogar besondere Beinmuskeln dafür ...  aber ich schweife schon wieder ab.

Der Gang, dieses Schleichen, lediglich unterbrochen von regelmäßigem Stehenbleiben, was der Ermüdung der Beine nicht gerade entgegen wirkt, geht zumeist einher mit einer die geistige Rezeption des Gesehenen ausdrückenden Körperhaltung, die besonders bei Männern im Diearmehinterdemrückenverschränken gipfelt. Dazu gerne der nach vorne geschobene Hals, zumeist um die kleinen Schildchen lesen und so dann mit dem gerade erworbenen Halbwissen glänzen zu können. 

Wenn man dann aber spricht, beispielsweise um seiner Begleitung die Zusammenhänge der Welt der Kunst zu erklären, geschieht das in einer beinahe pastoralen Art, das Gesicht nicht dem Gesprächspartner, sondern dem Kunstwerk zugeneigt, welches geradezu wissenschaftlich besprochen wird. Irgendwo zwischen Flüstern und Raunen kullern mittelkluge Worte in den für ein Verhallen zumeist recht anfälligen Raum und unterhalten alle Umstehenden, die wiederum arg mit ihren schmerzenden Beinen ringen und kollektiv die "Storch im Salat"-Taktik anwenden, weil sie glauben, abwechselndes Anwinkeln der Beine bis unter den Po, könnte ihre Leiden lindern. Kann es nicht. Sieht dafür aber scheiße aus.

Kurzum, der museale Kunstgenuss ist ein rein geistiger, der proportional mit körperlicher Qual einher geht und die Menschen bescheuert aussehen lässt. Aber immerhin gekünstelt, was ja dann wieder passt.

Aber wie ich eingangs schon erwähnte:
ich mag Museen.


Samstag, 4. Oktober 2014

Boysetsfire - 20 years and counting - After The Eulogy

Samstag, 4. Oktober 2014. Der erste von den drei Tagen, auf die ich seit 5 Monaten warte wie ein 5-Jähriger auf seinen Geburtstag, ist gekommen. 

Vor mir liegen sage und schreibe 4 Konzerte meiner Lieblingsband Boysetsfire, jener amerikanischen Post Hardcore-Legende die diese anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens exklusiv zum Dank an die treue europäische  - und hier speziell die deutsche - Fanbase geben. An drei Abenden hintereinander (3 mal jeweils Hamburg, Köln, Berlin und Wien) werden drei Schlüsselalben der Band zu Gehör kommen. Und wer BSF kennt weiß, dass das Gehör hier zusammen mit Hirn und Herz am Meisten wird leisten müssen.

Die ersten 3 umjubelten Konzerte in Hamburg liegen bereits hinter der Band und so sitze ich bei einem Weizenbier in Köln, ich Rebell, und fiebere dem ersten Abend entgegen, welcher "After The Eulogy", dem Meisterwerk von 2000 gewidmet sein wird. Während ich mit Grausen die "Du siehst schon wieder Scheiße aus"-Gesänge der bereits um 19 Uhr volltrunkenen Menschen am Nachbartisch ertragen muss, höre ich vor meinem geistigen Ohr schon den legendären Schlachtruf, der mir in etwa dreieinhalb Stunden im verschwitzten Bürgerhaus Stollwerck die Gänsehaut auf den gesamten Körper zaubern wird, wie er es schon so lange und seitdem immer tut: RISE!



Ich weiß, es ist vermessen, aber dennoch kann ich mich des moralisch überlegenen Gefühls gegenüber den Behelfs-Micki Krauses am Nachbartisch nicht erwehren. Sogar Mitleid für diese armen Menschen striff gerade meinen Gefühlskanon. Es ist dieses erhabene Gefühl, in Erwartung eines Ereignisses zu erschaudern, dessen Größe und Schönheit, die RTL II Fraktion nebenan niemals wird begreifen können. Wohl wissend, dass jeder Musikgeschmack rein subjektiv ist und sie diese, meine Musik ohnehin nur als Krach wahr nehmen würden. Aber das ist jetzt egal. Dieser Abend gehört in meiner kleinen, das Erhabene, die Meinung, die Haltung feiernden Welt nur dieser Band und ihren Fans. Ich Musikfaschist, ich. Heute bin ich einfach nur Fan und als solcher gibt es nichts was gerade geiler sein könnte, als hier zu sein.

Ich freue mich auf die Jungs, den Schweiß, den Lärm, die Gemeinschaft, das Geschrei, die Emotionen, die Melodien, die gegen das Schlechte gerichtete Brutalität, die das Zerbrechliche feiernde Zartheit, die das Schutzlose in den Arm nehmende Poesie und auf jede einzelne Sekunde. Schrieb ich noch vor 2 Jahren hier von meiner dummen Angst, zu viel zu erwarten, muss ich an dieser Stelle gestehen, es ist scheißegal, was ich erwarte. Boysetsfire sind eine der wenigen Bands, die mich noch nie enttäuscht haben, egal wie ich drauf war, als ich zum Konzert ging. Und so weiß ich, der Raum wird - wie immer - klein und eng sein. Die Luft wird - wie immer - heiß und stickig sein. Aber die Gesichter werden - wie immer - voller Euphorie sein. Vorher, währenddessen und danach.

Es gibt nicht viele Bands, die es schaffen mit ihrer Musik, ihren Texten Liebe und Aggression zu vereinen. "Meine Jungs" schaffen das mühelos mit einem Lächeln. Das ist keine Zweckgemeinschaft, das ist der Geist des Hardcore, wie er sein sollte.

Auf geht's.

Freitag, 3. Oktober 2014

Die Unsichtbareren

Man merkt eigentlich gar nichts davon. Im Grunde auch gut so.

Was einst viel beachtet und von allen Seiten bejubelt seine Existenz beginnt, wird in der Wahrnehmung der anderen Menschen Jahr für Jahr immer blasser, farbloser, dünner. Bis es eines Tages nicht mehr existiert so scheint es.

Es ist nicht einmal so, dass es sich von innen großartig anders anfühlen würde. Es ist nicht so, dass es einen urplötzlich zerreißt, pulverisiert. Es ist einfach nur das, was von den anderen zurück kommt. 

Oder eben auch nicht.

Das Echo verhallt. Als wenn der Wald den Schall plötzlich nur noch schluckt. Nichts schallt mehr heraus. Es ist dem Wald egal, was und wie hinein gerufen wird. 

Was vorgestern noch alle Aufmerksamkeit auf sich zog, ist heute allein auf sich gestellt.

Man merkt eigentlich gar nichts davon. Im Grunde auch gut so. 


Donnerstag, 25. September 2014

Schuster, bleib bei Deinen Scrollbalken.

Sozialmedial vernetzt zu sein, galt in meiner sozialmedialen Kindheit - also in den frühen bis mittleren 90ern, zunächst als verrückt neu, dann als das neue Ding und absolut notwendig, und bis vor Kurzem noch als total en vogue. Heute ist es schlicht normal und bedarf eigentlich kaum mehr der Erwähnung. Meint man.

Denn genauso wie es für Euch, die Ihr hier diesen Blog lest, Usus ist, das virtuelle Leben so selbstverständlich in Euren Alltag einzubauen, wie zum Bäcker, Spazieren oder in die Kneipe zu gehen. gibt es sie ja auch immer noch: all die anderen, die das berühmte Teufelszeug und Internet in einem Atemzug nennen und es auch so meinen - wohl wissend, dass sie weder von dem einen noch von dem anderen auch nur die blasseste Ahnung haben.

Ist auch alles nicht weiter schlimm. Jeder hat seine Hobbies, seine bevorzugte Lebensweise, sein Umfeld. Schlimm finde ich es erst, wenn man sich mit einem Umfeld schmückt, ohne dieses überhaupt bewusst zu bewohnen. Das Schmücken mit fremden Federn gibt es schon, seit es Menschen gibt - und Federn natürlich. Die Frage muss aber nun gestattet sein, warum ich vorgeben sollte, Ahnung vom  Leben im Internet zu haben, wenn es nicht den Tatsachen entspricht? Ich gehe ja auch nicht zu meinem Gemüsehändler und erzähle ihm was von biologisch einwandfreier Aufzucht, nachhaltig freilaufender Rüben.  

Wenn das virtuelle Leben heute noch ultrahip und nicht so normal wäre, wie das morgendliche Zähneputzen, wäre ich eventuell bereit ein gewisses Verständnis aufzubringen, all jenen gegenüber, die mir tagtäglich das Netz neu erklären wollen. Ist es aber nicht - ich erwähnte es eingangs bereits in wenigen Worten. Das Netz ist im Alltag  angekommen. Und so - auch das ist keine wirklich neue Erkenntnis - ist es im virtuellen Leben das Selbe, wie im biologischen - es gibt ein paar unumstößliche Weisheiten:

Practice what you preach. Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Schuster bleib` bei Deinen Leisten (was nicht heißt, dass der Schuster nicht jederzeit seinen Horizont erweitern darf). Was im anfassbaren Leben gilt, gilt auch in der virtuellen Welt. Sei einfach Du selbst und versuch` kein Arsch zu sein. Mehr ist es gar nicht.



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Weiterlesen: "Das Netz wird endlich 3.0"

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Dienstag, 16. September 2014

Dämonen II

Zurückgerudert garstig Los
Entkommen aus der Kargheit Schoß
Gesichert mittels Seilen straff
Seh` ich den Plan an, der im Schlaf
     Mich übermannend fällen sollte
     Ganz so, als wär`s des Geists Revolte
          Und so ich lass
          Dem Graus den Spaß
     Zu spät käm meine Volte.

Entfesselt aus der Welt der Wächter
Genährt mit meiner Selbst Gelächter
Ermpor steigt abermals das Klagen
An ihm und jetzt könnt` ich verzagen
     Ich glaubte es bereits am Boden
     Doch scheinbar hab` ich mich verhoben
          Obschon ich stieß
          Es ins Verlies
     Ist es schon wieder oben.

Besitzergreifend geifernd Gier
Nach meinem Selbst das jetzt und hier
Sich seinerseits dem Boden neigt
Verzweifelnd suchend nach verzweigt
     In dunklen Kurven windend Tunneln
     Doch dieser Zeit gibt es kein Schummeln
          So harr` ich aus
          Seh` voller Graus
     Vernehme dunkles Grummeln

Den Hals im Geiste zugeschnürt
Verfolge ich fast ungerührt
Erstickend Hohn und Spottgesänge
Zu viele dieser tödlich` Klänge
     Als dass ich aus der Rage fliehend
     Mich könnt` am eignen Schopfe ziehend
          In Klarheit mir den Plan bedenkend
          Mir selbst ein wenig Wahrheit schenkend
     Befreien aus der Enge.

So wart` ich all zu lange suchend
Nach einem Plan, nun selbst verfluchend
Was sich mein panisch Hirn erdacht
Als wär es nun erst aufgewacht
     Als wähnt` es sich bereits besiegt
     Als ob es schon im Grabe liegt
          Als wär` verloren
          Ungeboren
     Was dem Kampf obliegt.

Tribut gezollt der alten Masche
Wie Phönix einst mit seiner Asche
Die Welt um sich herum arg narrte
Und wo war ich, als sie verharrte
     In tumbem Glauben an das Zagen
     Ergeben ganz an das Versagen
          Den Schatten gleich
          Unglaublich bleich
     Geht es mir an den Kragen

Es schleicht sich Furcht in Mark und Bein
Es braucht nicht lang, um da zu sein
Wo alle Tugenden vergehen
Sich selber tief versunken sehen
     In Oberflächen Malstrom gleich
     Nur eine Hand, wie Knochen bleich
          Dir grade noch zu Hilfe naht
          Doch geb` ich mir den einen Rat
     Schlag aus die Hand sogleich.

Es naht ein Licht aus ferner Weite
Ein Licht, das ich mir selbst bereite
Es dimmt so vor sich hin und glimmt
Ich schlag die Warnung in den Wind
     Ich greif` die knöchern Hand mit Macht
     Ich lass mich ein auf diese Schlacht
          Es knackt und kracht
          Es kreischt und lacht
     Und um mich ist es Nacht.
   

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Edit: Hier geht es zu "Dämonen" - Teil 1 

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Donnerstag, 11. September 2014

Die DNA des ikonografischen Konsens

Wir sind Bewahrer.
Wir gewöhnen uns nur sehr ungern an Neues. Ungewohntes bereitet uns großes Ungemach. Im Grunde weisen wir eine klassische WDR 4-Struktur auf: "Schönes bleibt."

Wir benutzen zwar die neuesten Rechner, bedienen mit Leichtigkeit die hippsten Apps, aber wenn wir etwas speichern wollen, suchen wir sofort nach dem Diskettensymbol. Viele der jungen Webster kennen nicht einmal mehr Disketten, was so schlimm nicht ist, aber dass die Diskette für das Speichern einer Datei steht, ist in die kollektive DNA aller Computer bedienenden Menschen eingegangen. Das muss diese Zellerinnerung sein. 

Das Gleiche gilt im öffentlichen Raum. Wenn man in einer Behörde darauf hinweisen möchte, dass das Klingeln eines Telefons die Allgemeinheit stört, so bildet man in der Regel nicht ein schwarzes Rechteck mit abgerundeten Ecken ab - also jene Form, die jedes gängige Smartphones heute von Hause aus mitbringt (und die Apple jüngst erst wieder als Design-Innovation verkauft hat), sondern den Nokia-Knochen von 1998. Benötigt man generell ein Symbol, um den Menschen eine Telefonnummer anzupreisen greift man lieber gleich auf einen Hörer zurück, der in seiner Form so gewiss noch in den 80ern - da jedoch standardmäßig mit roter, grüner oder gelber samtener Schutzummantelung - in den Wohnungen zu finden war. 

Wir sind Bewahrer.

Ich sitze gerade in meiner Stammkneipe und schreibe diesen Blog. Ein flüchtiger Blick auf den modernen, rechnergesteuerten Smartscreen, der im normalen Betrieb Angebote anpreist oder auf aktuelle Zeitgeschehnisse wie kürzlich den Tod von Robin Williams mit einem salutierenden "Oh Captain, my Captain" eingeht, zeigt gerade die Oberfläche der Eingabemaske. Ein Regal aus Eichenholz vor einer jugendstiligen Brokattapete bietet reichlich mit Ornamenten verzierte Icons, die dem Benutzer ein behagliches Gefühl von stilsicher altbackener Gemütlichkeit vermitteln sollen. Ähnliches kennt man von Fernsehermenüs oder ähnlichen technischen Oberflächen, die allesamt mittels digitaler Texturen eine Welt vorgaukeln, die wir real nicht mehr um uns haben. 



Klar sehen wir uns als moderne Menschen, doch die Ikonografie unserer Moderne wird noch immer heftig bestimmt durch die Welt unserer Vorfahren. Zeitungen im Netz - obschon völlig frei von technischer oder ästhetischer Reglementierung - weisen vom Layout her zumeist exakt das gleiche Erscheinungsbild auf, von den klassischen Papierkonkurrenten, deren Erbe sie antreten wollen. Die Armaturenbretter der neuesten Wagen der Nobelklassen, bis unter das Dach vollgestopft mit neuester Technologie, kleiden sich in gemaserte Edelhölzer, die unseren Urgroßeltern zur Ehre gereicht hätten. 

Wir sind Bewahrer.
Und der Spießer, der Gemütliche, der eigentlich in Uromas Wohnzimmer gemütlich vor dem Kamin sitzen Wollende wohnt tief in uns. Es scheint einen gesellschaftlichen Konsens zu geben, von dem was erstrebenswert ist. Und dieses Level möchten wir zunächst erreichen und dann halten. Wir schmücken es gerne reichlich aus mit dem Neuesten Schnickschnack, aber die Messlatte der Umgebung, die Benchmark des Grades an Gemütlichkeit und Heimeligkeit hat sich seit Jahrzehnten nicht verschoben. 

Ich wage zu behaupten, dass uns die Diskette, der Telefonhörer und alle ihre Symbolbrüder und Symbolschwestern auch in 20 Jahren noch begleiten werden. 

Wir sind - im Grunde unseres Herzens - Bewahrer.

Dienstag, 9. September 2014

Atombombenkindheit

Ich wette, kurz vor Ende dieses Blogs werdet Ihr nicht erraten, worauf ich anfangs hinaus wollte. Ich gestehe auch, die Kurve ist abenteuerlich.  

Diskussionen über das Recht und die Pflicht zur Party (reminiszieren Sie mit mir bitte an dieser Stelle so ungleiche Bands wie die Beasty Boys und die Rodgau Monotones) auf die Seite schiebend, möchte ich - ein gefühlter Ritter der Ernsthaftigkeit - meine Lanze brechen. Ich tue dies im Angedenken eines bedrückenden Grundgefühls, welches ich als junger Mensch in den 80ern beständig mit mir herum trug.

Wann immer ich mich entspannt und frei wähnte, haben mir die 80er dieses Unwohlsein eingepflanzt, dass eigentlich zu jeder Sekunde das Ende nicht nur nah, sondern bereits da sein konnte. Im Grunde war mir - und ich denke, ich war da nicht allein - die Möglichkeit eines Atomkrieges zu jeder Sekunde bewusst. Man kann sagen, ich hatte Angst. Nicht immer akut, aber unter der Oberfläche immer. Es gab viele Momente, da ich den Blick zum Himmel wandte, und irgendwie schlicht damit rechnete, dort einen hellen Blitz zu erblicken.

 Vielleicht haben Filme wie "The Day After" ihren Teil dazu beigetragen, diese ohnehin vorhandenen Ängste zu schüren und zu verfestigen, die Bedrohung war jedenfalls so real, wie das Gefühl. Anfang der 90er hatte ich das erleichternde Gefühl, dass sich da weltpolitisch etwas entspannt, dass eine neue Generation die Ruder der Geschichte übernommen hatte. Gute, der erste Irak-Krieg zeigte bereits, dass wir nicht urplötzlich im Lummerland aufwachen würden, aber die Bedrohung der totalen Vernichtung Mitteleuropas schein mir doch abgewendet.



Ich habe nun seit ein paar Monaten aufgrund der geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, in Gaza und natürlich auch in der Ukraine, leider einen kleinen Flashback, einen Nachhall, eine Rückkehr des Wissens um das Gefühl, welches mich so lange gequält hatte. Die Hybris ist wieder unterwegs. Die Waffen sind plötzlich flächendeckend wieder ein Mittel, seine Ziele zu erreichen. Das Säbelrasseln einer Seite wird derzeit durchaus mit einer exakt solchen Antwort bedacht, anstatt der Diplomatie, dem Wort selbiges zu reden.

In der Poesie der Vernunft siegt immer die Feder über jedes Schwert. Realpolitisch sieht es gerade danach aus, dass die Federn schon aus der Ferne von übergroßen Schwertern, gelenkt von überkleinen Geistern mit übergroßen Egos verbrannt werden sollen. Und plötzlich ist es wieder da. Dieses Gefühl, relativ hilflos zum Himmel zu sehen. Nicht dass ich derzeit den in den 80ern erwarteten Blitz zu sehen befürchte. Aber ich sehe gerade mit einiger Besorgnis, dass die Welt sich in ihren Spitzen wieder auf den Weg macht, anders Denkende, anders Glaubende, anders Lebende mit der Waffe davon zu überzeugen, dass die eigene Meinung - und sei sie noch so verblödet - die richtige Meinung ist.

Ich bin kein Hippie, kein verträumter Spinner, der sich der Hoffnung auch nur ansatzweise hingegeben hat, dass Menschen sich bezüglich ihres Verhaltens ändern würden, das sie seit Anbeginn ihrer Geschichte an den Tag gelegt haben, aber ich gestehe, ich hatte in der geschichtlich kurzen Zeit meines bisherigen Lebens die Hoffnung, dass die Vernunft ein wenig die Oberhand gewinnen könnte über Glauben, Strömungen und den puren Hass.

Nun - diese Hoffnung war unbegründet. Um aber nun mit der gebrochenen Lanze den Boden zurück zu schlagen zum "Fight for your right to party" der späten 80er, muss ich einfach sagen, es gibt mir viel zu viel zu viel zu viel zu irre doll vom Mainstream-Radio beachteter Musiker, gerade hier in Deutschland, die einer fatalen Gemütlichkeit die Bühne bieten, die jegliches Bewusstsein für gesellschaftliche Reflektion vermissen lassen.

"Ja, er nun wieder!", höre ich sie rufen, "muss denn immer alles politisch sein?" - Nein, muss es nicht. Aber dann hört später auf zu jammern, dass Ihr Euch vielleicht auf lila Wolken und Nickelback verlassen habt, die Euch die Welt erklärt haben, als gäbe es ein Leben in einer schnittvermengten Blase aus RTLligem Dumpfsinn, feuchter Teeniepornografie und hier und da mal einem Tütchen. Wenn Euer höchstes Gut ist, einmal auf einem Bild von Virtual Nights aufzutauchen und sogar die Zurschaustellung in einem Reality Format der Privaten unerreichbar weit scheint. Wenn die Belanglosigkeit Inhalte vorgaukelt, sich einen festen Platz in Eurem Herzen gesichert, gekauft hat.

Ich sagte es anfangs. Es begann in den 80ern mit einem Gefühl. Ein Gefühl der Kälte. Nun sind wir 30 Jahre weiter und die Kälte hat sich manifestiert in einer gesellschaftlichen Leere, die das Desinteresse und die Betäubung als alltäglich gelebte Kultur geadelt hat.

Ein Hoch von meiner Seite auf alle Künstler, an alle Menschen, die sich diesem Stumpfsinn widersetzen, die selber denken und ihre Kraft wahrscheinlich gerade aus der allgegenwärtigen Betäubung schöpfen. Ja, es klingt blöd - stimmt - aber dagegen sein war meiner Ansicht nach noch nie so sinnvoll wie derzeit. Es gibt Schafe und es gibt Schlachtbänke. Und es gibt andere Wege.

Ich will mich auf jeden Fall nie wieder so wehrlos fühlen, wie in den 80ern!

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Ein Zitat: "Ich finde, wir müssen mit Stil untergeh`n" - Pascow 


Donnerstag, 4. September 2014

Das Netz wird endlich 3.0

Twogger, Blogstagram, Faceblr, Ellosquare, Fourgl+, Spotipress, Goonterest, XinkedIn, Wordr. 

Ich dachte, das Ding mit der digitalen Revolution wäre durch und wir hätten uns mittlerweile allesamt irgendwo im Netz etabliert. Alle sind auf Facebook, die Individualisten sind auf Twitter, die essenden Fotografen bewohnen Instagram, die mit den schicken Passbildern bezahlen Xing für ein Adressbuch, die Weltenbummler tummeln sich gleich überall und irgendwie hat doch jeder online seinen Kiez gefunden. 

Ich schrieb noch kürzlich einen Blogpost über die unvollständige Weltkarte der Sozialen Medien. Darin kamen eben alle Großen vor, die man so kennt, benutzt und bevölkert. Doch seit ein paar Tagen hat man - nicht selten befeuert durch neue Horrormeldungen aus den etablierten Netzwerken, was die angestrebte Vorantreibung der Kommerzialisierung oder den Abbau der privaten Datenschutzrechte angeht - wieder das Gefühl, dass alles im Umbruch ist. 

Das was wir als etabliert empfinden, wir, die wir die Onlinewelt längst in unsere Offline-Existenz implantiert haben, ist zwar das, was vielleicht unsere Elterngeneration noch als fremdartig und eventuell sogar bedrohlich empfindet, aber uns doch längst zum natürlichen, nicht mehr wegzudenkenden Teil unseres Alttages geworden ist. Umso irritierender, dass sich gerade jetzt vermehrt die Neuen - ich möchte fast sagen, die jungen Wilden - anschicken, Ihre Chance zu nutzen, das alles einfach mal wieder umzukrempeln. 

Mag sein, dass wir bis heute die ganz großen Neuerungen bereits ausgelotet haben, jedes große Netzwerk hat seine Zielgruppe, jede Mechanik ist vielleicht schon mal irgendwie ausprobiert und akzeptiert worden. Kann aber auch sein, dass wir alle diese Züge mit Wonne besprungen haben,weil sie die einzigen waren, die uns das wonach wir verlangten angeboten haben und wir eben auch nicht so genau hingesehen haben, was die Rahmenbedingungen angeht. Datenschutz? Haben wir als Deutsche irgendwie vorausgesetzt. Werbung? Haben wir als notwendige Randerscheinung erst einmal nicht so wichtig genommen und vermeidlich ignoriert. Persönlichkeitsrechte? Waren wir uns in der Masse dieser überhaupt bewusst? 



Und nun tauchen fast täglich Alternativen auf. Alternativen die uns Digitalnaiven vielleicht gar nicht so neu vorkommen, die aber plötzlich antreten mit dem Anspuch, nicht alles neu, aber vieles besser zu machen. Gut, damit hat auch ein Altbundeskanzler schon einmal Land gemacht, ohne selber die blühenden Landschaften seines Vorgängers zu ermöglichen. Aber derzeit scheinen Communities wie Ello, Medium und unzählige andere mit bekannten Ideen in einer neuen Verpackung mobil zu machen. Diese Verpackung soll jedoch nicht der alte Wein aus neuen Schläuchen sein, sondern versucht scheinbar ernsthaft, die Fehler, bzw. die Dreistigkeiten seiner Vorbilder, die in den Grundzügen ihrer Mechaniken zum Teil knallhart immitiert werden, auszubügeln.

Man wirbt mit Transparenz, Fairness, Nichtkommerzialität und Mitbestimmungsrecht und macht somit zumindest formal schon einmal so einiges richtig. Kein Mensch weiß, was nun die Zukunft bringen mag, wir alle wissen ja, die Masse ist träge und einmal Gelerntes wird nur ungern neu aufgezogen. Facebook mag in der absoluten Masse rückläufig sein, dennoch wird es diesen Molloch mit Sicherheit noch sehr lange auf sehr hohem quantitativen Niveau geben. Einfach weil alle es tun und das Konzept ja nicht ungekonnt darauf ausgelegt ist, ein lebenslanger Begleiter, ja ein Chronist des eigenen Lebens zu sein. Die anderen jedoch, Twitter, Wordpress, Blogger und Co., geliebt, etabliert aber in Deutschland im Vergleich zum Massenmedium Facebook immer noch eher eine Nische besetzend, haben jetzt die Chance, sich an der aufkommenden Konkurrenz zu messen, zu schleifen, zu öffnen, zu verbessern im Sinne ihrer User. 

Und so ist es unglaublich spannend gerade dabei zu sein, während sich das Alte mit dem Neuen im Konkurrenzkampf befindet. Ich bin kein wirklicher Bewahrer, ich bin allerdings höchst melancholisch. So bin ich hin und her gerissen zwischen der Angst, mein tägliches Twittern könnte irgendwann abgelöst werden durch etwas anderes. Andererseits brenne ich darauf zu sehen, wie sich die Neuen schlagen und wünsche Ihnen Glück und einen langen Atem.

Denn bei allem, was man im Netz doch so macht, bleibt eines gleich, überall. Wir, wir die User sind das Netz. Ohne uns ist sogar das Monster Facebook tot. Wir sind der Inhalt, das Leben, das Kapital. Wir müssen uns nur entscheiden, wollen wir das Kapital von anderen sein, deren Ideen und Philosophien wir nicht mit tragen, oder tun wir etwas für uns in unserem Sinne.


Beide Möglichkeiten bietet das Netz. Diese Selbstbestimmung sollten wir uns nicht nehmen lassen. Finde ich. Mag sein, dass Ihr das anders seht. Aber genau darum geht es ja.

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Edit:
Leser, die sich für den soeben erblickten Blogpost begeistert haben, würden sich gewiss auch für den hier begeistern.