Der @herrgott ist hoch erfreut.


Gebundenes Hardcover, coloriert und illustriert: "DER VIROLOGISCHE MAGNET"

Dienstag, 16. September 2014

Dämonen II

Zurückgerudert garstig Los
Entkommen aus der Kargheit Schoß
Gesichert mittels Seilen straff
Seh` ich den Plan an, der im Schlaf
     Mich übermannend fällen sollte
     Ganz so, als wär`s des Geists Revolte
          Und so ich lass
          Dem Graus den Spaß
     Zu spät käm meine Volte.

Entfesselt aus der Welt der Wächter
Genährt mit meiner Selbst Gelächter
Ermpor steigt abermals das Klagen
An ihm und jetzt könnt` ich verzagen
     Ich glaubte es bereits am Boden
     Doch scheinbar hab` ich mich verhoben
          Obschon ich stieß
          Es ins Verlies
     Ist es schon wieder oben.

Besitzergreifend geifernd Gier
Nach meinem Selbst das jetzt und hier
Sich seinerseits dem Boden neigt
Verzweifelnd suchend nach verzweigt
     In dunklen Kurven windend Tunneln
     Doch dieser Zeit gibt es kein Schummeln
          So harr` ich aus
          Seh` voller Graus
     Vernehme dunkles Grummeln

Den Hals im Geiste zugeschnürt
Verfolge ich fast ungerührt
Erstickend Hohn und Spottgesänge
Zu viele dieser tödlich` Klänge
     Als dass ich aus der Rage fliehend
     Mich könnt` am eignen Schopfe ziehend
          In Klarheit mir den Plan bedenkend
          Mir selbst ein wenig Wahrheit schenkend
     Befreien aus der Enge.

So wart` ich all zu lange suchend
Nach einem Plan, nun selbst verfluchend
Was sich mein panisch Hirn erdacht
Als wär es nun erst aufgewacht
     Als wähnt` es sich bereits besiegt
     Als ob es schon im Grabe liegt
          Als wär` verloren
          Ungeboren
     Was dem Kampf obliegt.

Tribut gezollt der alten Masche
Wie Phönix einst mit seiner Asche
Die Welt um sich herum arg narrte
Und wo war ich, als sie verharrte
     In tumbem Glauben an das Zagen
     Ergeben ganz an das Versagen
          Den Schatten gleich
          Unglaublich bleich
     Geht es mir an den Kragen

Es schleicht sich Furcht in Mark und Bein
Es braucht nicht lang, um da zu sein
Wo alle Tugenden vergehen
Sich selber tief versunken sehen
     In Oberflächen Malstrom gleich
     Nur eine Hand, wie Knochen bleich
          Dir grade noch zu Hilfe naht
          Doch geb` ich mir den einen Rat
     Schlag aus die Hand sogleich.

Es naht ein Licht aus ferner Weite
Ein Licht, das ich mir selbst bereite
Es dimmt so vor sich hin und glimmt
Ich schlag die Warnung in den Wind
     Ich greif` die knöchern Hand mit Macht
     Ich lass mich ein auf diese Schlacht
          Es knackt und kracht
          Es kreischt und lacht
     Und um mich ist es Nacht.
   

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Edit: Hier geht es zu "Dämonen" - Teil 1 

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Donnerstag, 11. September 2014

Die DNA des ikonografischen Konsens

Wir sind Bewahrer.
Wir gewöhnen uns nur sehr ungern an Neues. Ungewohntes bereitet uns großes Ungemach. Im Grunde weisen wir eine klassische WDR 4-Struktur auf: "Schönes bleibt."

Wir benutzen zwar die neuesten Rechner, bedienen mit Leichtigkeit die hippsten Apps, aber wenn wir etwas speichern wollen, suchen wir sofort nach dem Diskettensymbol. Viele der jungen Webster kennen nicht einmal mehr Disketten, was so schlimm nicht ist, aber dass die Diskette für das Speichern einer Datei steht, ist in die kollektive DNA aller Computer bedienenden Menschen eingegangen. Das muss diese Zellerinnerung sein. 

Das Gleiche gilt im öffentlichen Raum. Wenn man in einer Behörde darauf hinweisen möchte, dass das Klingeln eines Telefons die Allgemeinheit stört, so bildet man in der Regel nicht ein schwarzes Rechteck mit abgerundeten Ecken ab - also jene Form, die jedes gängige Smartphones heute von Hause aus mitbringt (und die Apple jüngst erst wieder als Design-Innovation verkauft hat), sondern den Nokia-Knochen von 1998. Benötigt man generell ein Symbol, um den Menschen eine Telefonnummer anzupreisen greift man lieber gleich auf einen Hörer zurück, der in seiner Form so gewiss noch in den 80ern - da jedoch standardmäßig mit roter, grüner oder gelber samtener Schutzummantelung - in den Wohnungen zu finden war. 

Wir sind Bewahrer.

Ich sitze gerade in meiner Stammkneipe und schreibe diesen Blog. Ein flüchtiger Blick auf den modernen, rechnergesteuerten Smartscreen, der im normalen Betrieb Angebote anpreist oder auf aktuelle Zeitgeschehnisse wie kürzlich den Tod von Robin Williams mit einem salutierenden "Oh Captain, my Captain" eingeht, zeigt gerade die Oberfläche der Eingabemaske. Ein Regal aus Eichenholz vor einer jugendstiligen Brokattapete bietet reichlich mit Ornamenten verzierte Icons, die dem Benutzer ein behagliches Gefühl von stilsicher altbackener Gemütlichkeit vermitteln sollen. Ähnliches kennt man von Fernsehermenüs oder ähnlichen technischen Oberflächen, die allesamt mittels digitaler Texturen eine Welt vorgaukeln, die wir real nicht mehr um uns haben. 



Klar sehen wir uns als moderne Menschen, doch die Ikonografie unserer Moderne wird noch immer heftig bestimmt durch die Welt unserer Vorfahren. Zeitungen im Netz - obschon völlig frei von technischer oder ästhetischer Reglementierung - weisen vom Layout her zumeist exakt das gleiche Erscheinungsbild auf, von den klassischen Papierkonkurrenten, deren Erbe sie antreten wollen. Die Armaturenbretter der neuesten Wagen der Nobelklassen, bis unter das Dach vollgestopft mit neuester Technologie, kleiden sich in gemaserte Edelhölzer, die unseren Urgroßeltern zur Ehre gereicht hätten. 

Wir sind Bewahrer.
Und der Spießer, der Gemütliche, der eigentlich in Uromas Wohnzimmer gemütlich vor dem Kamin sitzen Wollende wohnt tief in uns. Es scheint einen gesellschaftlichen Konsens zu geben, von dem was erstrebenswert ist. Und dieses Level möchten wir zunächst erreichen und dann halten. Wir schmücken es gerne reichlich aus mit dem Neuesten Schnickschnack, aber die Messlatte der Umgebung, die Benchmark des Grades an Gemütlichkeit und Heimeligkeit hat sich seit Jahrzehnten nicht verschoben. 

Ich wage zu behaupten, dass uns die Diskette, der Telefonhörer und alle ihre Symbolbrüder und Symbolschwestern auch in 20 Jahren noch begleiten werden. 

Wir sind - im Grunde unseres Herzens - Bewahrer.

Dienstag, 9. September 2014

Atombombenkindheit

Ich wette, kurz vor Ende dieses Blogs werdet Ihr nicht erraten, worauf ich anfangs hinaus wollte. Ich gestehe auch, die Kurve ist abenteuerlich.  

Diskussionen über das Recht und die Pflicht zur Party (reminiszieren Sie mit mir bitte an dieser Stelle so ungleiche Bands wie die Beasty Boys und die Rodgau Monotones) auf die Seite schiebend, möchte ich - ein gefühlter Ritter der Ernsthaftigkeit - meine Lanze brechen. Ich tue dies im Angedenken eines bedrückenden Grundgefühls, welches ich als junger Mensch in den 80ern beständig mit mir herum trug.

Wann immer ich mich entspannt und frei wähnte, haben mir die 80er dieses Unwohlsein eingepflanzt, dass eigentlich zu jeder Sekunde das Ende nicht nur nah, sondern bereits da sein konnte. Im Grunde war mir - und ich denke, ich war da nicht allein - die Möglichkeit eines Atomkrieges zu jeder Sekunde bewusst. Man kann sagen, ich hatte Angst. Nicht immer akut, aber unter der Oberfläche immer. Es gab viele Momente, da ich den Blick zum Himmel wandte, und irgendwie schlicht damit rechnete, dort einen hellen Blitz zu erblicken.

 Vielleicht haben Filme wie "The Day After" ihren Teil dazu beigetragen, diese ohnehin vorhandenen Ängste zu schüren und zu verfestigen, die Bedrohung war jedenfalls so real, wie das Gefühl. Anfang der 90er hatte ich das erleichternde Gefühl, dass sich da weltpolitisch etwas entspannt, dass eine neue Generation die Ruder der Geschichte übernommen hatte. Gute, der erste Irak-Krieg zeigte bereits, dass wir nicht urplötzlich im Lummerland aufwachen würden, aber die Bedrohung der totalen Vernichtung Mitteleuropas schein mir doch abgewendet.



Ich habe nun seit ein paar Monaten aufgrund der geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, in Gaza und natürlich auch in der Ukraine, leider einen kleinen Flashback, einen Nachhall, eine Rückkehr des Wissens um das Gefühl, welches mich so lange gequält hatte. Die Hybris ist wieder unterwegs. Die Waffen sind plötzlich flächendeckend wieder ein Mittel, seine Ziele zu erreichen. Das Säbelrasseln einer Seite wird derzeit durchaus mit einer exakt solchen Antwort bedacht, anstatt der Diplomatie, dem Wort selbiges zu reden.

In der Poesie der Vernunft siegt immer die Feder über jedes Schwert. Realpolitisch sieht es gerade danach aus, dass die Federn schon aus der Ferne von übergroßen Schwertern, gelenkt von überkleinen Geistern mit übergroßen Egos verbrannt werden sollen. Und plötzlich ist es wieder da. Dieses Gefühl, relativ hilflos zum Himmel zu sehen. Nicht dass ich derzeit den in den 80ern erwarteten Blitz zu sehen befürchte. Aber ich sehe gerade mit einiger Besorgnis, dass die Welt sich in ihren Spitzen wieder auf den Weg macht, anders Denkende, anders Glaubende, anders Lebende mit der Waffe davon zu überzeugen, dass die eigene Meinung - und sei sie noch so verblödet - die richtige Meinung ist.

Ich bin kein Hippie, kein verträumter Spinner, der sich der Hoffnung auch nur ansatzweise hingegeben hat, dass Menschen sich bezüglich ihres Verhaltens ändern würden, das sie seit Anbeginn ihrer Geschichte an den Tag gelegt haben, aber ich gestehe, ich hatte in der geschichtlich kurzen Zeit meines bisherigen Lebens die Hoffnung, dass die Vernunft ein wenig die Oberhand gewinnen könnte über Glauben, Strömungen und den puren Hass.

Nun - diese Hoffnung war unbegründet. Um aber nun mit der gebrochenen Lanze den Boden zurück zu schlagen zum "Fight for your right to party" der späten 80er, muss ich einfach sagen, es gibt mir viel zu viel zu viel zu viel zu irre doll vom Mainstream-Radio beachteter Musiker, gerade hier in Deutschland, die einer fatalen Gemütlichkeit die Bühne bieten, die jegliches Bewusstsein für gesellschaftliche Reflektion vermissen lassen.

"Ja, er nun wieder!", höre ich sie rufen, "muss denn immer alles politisch sein?" - Nein, muss es nicht. Aber dann hört später auf zu jammern, dass Ihr Euch vielleicht auf lila Wolken und Nickelback verlassen habt, die Euch die Welt erklärt haben, als gäbe es ein Leben in einer schnittvermengten Blase aus RTLligem Dumpfsinn, feuchter Teeniepornografie und hier und da mal einem Tütchen. Wenn Euer höchstes Gut ist, einmal auf einem Bild von Virtual Nights aufzutauchen und sogar die Zurschaustellung in einem Reality Format der Privaten unerreichbar weit scheint. Wenn die Belanglosigkeit Inhalte vorgaukelt, sich einen festen Platz in Eurem Herzen gesichert, gekauft hat.

Ich sagte es anfangs. Es begann in den 80ern mit einem Gefühl. Ein Gefühl der Kälte. Nun sind wir 30 Jahre weiter und die Kälte hat sich manifestiert in einer gesellschaftlichen Leere, die das Desinteresse und die Betäubung als alltäglich gelebte Kultur geadelt hat.

Ein Hoch von meiner Seite auf alle Künstler, an alle Menschen, die sich diesem Stumpfsinn widersetzen, die selber denken und ihre Kraft wahrscheinlich gerade aus der allgegenwärtigen Betäubung schöpfen. Ja, es klingt blöd - stimmt - aber dagegen sein war meiner Ansicht nach noch nie so sinnvoll wie derzeit. Es gibt Schafe und es gibt Schlachtbänke. Und es gibt andere Wege.

Ich will mich auf jeden Fall nie wieder so wehrlos fühlen, wie in den 80ern!

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Ein Zitat: "Ich finde, wir müssen mit Stil untergeh`n" - Pascow 


Donnerstag, 4. September 2014

Das Netz wird endlich 3.0

Twogger, Blogstagram, Faceblr, Ellosquare, Fourgl+, Spotipress, Goonterest, XinkedIn, Wordr. 

Ich dachte, das Ding mit der digitalen Revolution wäre durch und wir hätten uns mittlerweile allesamt irgendwo im Netz etabliert. Alle sind auf Facebook, die Individualisten sind auf Twitter, die essenden Fotografen bewohnen Instagram, die mit den schicken Passbildern bezahlen Xing für ein Adressbuch, die Weltenbummler tummeln sich gleich überall und irgendwie hat doch jeder online seinen Kiez gefunden. 

Ich schrieb noch kürzlich einen Blogpost über die unvollständige Weltkarte der Sozialen Medien. Darin kamen eben alle Großen vor, die man so kennt, benutzt und bevölkert. Doch seit ein paar Tagen hat man - nicht selten befeuert durch neue Horrormeldungen aus den etablierten Netzwerken, was die angestrebte Vorantreibung der Kommerzialisierung oder den Abbau der privaten Datenschutzrechte angeht - wieder das Gefühl, dass alles im Umbruch ist. 

Das was wir als etabliert empfinden, wir, die wir die Onlinewelt längst in unsere Offline-Existenz implantiert haben, ist zwar das, was vielleicht unsere Elterngeneration noch als fremdartig und eventuell sogar bedrohlich empfindet, aber uns doch längst zum natürlichen, nicht mehr wegzudenkenden Teil unseres Alttages geworden ist. Umso irritierender, dass sich gerade jetzt vermehrt die Neuen - ich möchte fast sagen, die jungen Wilden - anschicken, Ihre Chance zu nutzen, das alles einfach mal wieder umzukrempeln. 

Mag sein, dass wir bis heute die ganz großen Neuerungen bereits ausgelotet haben, jedes große Netzwerk hat seine Zielgruppe, jede Mechanik ist vielleicht schon mal irgendwie ausprobiert und akzeptiert worden. Kann aber auch sein, dass wir alle diese Züge mit Wonne besprungen haben,weil sie die einzigen waren, die uns das wonach wir verlangten angeboten haben und wir eben auch nicht so genau hingesehen haben, was die Rahmenbedingungen angeht. Datenschutz? Haben wir als Deutsche irgendwie vorausgesetzt. Werbung? Haben wir als notwendige Randerscheinung erst einmal nicht so wichtig genommen und vermeidlich ignoriert. Persönlichkeitsrechte? Waren wir uns in der Masse dieser überhaupt bewusst? 



Und nun tauchen fast täglich Alternativen auf. Alternativen die uns Digitalnaiven vielleicht gar nicht so neu vorkommen, die aber plötzlich antreten mit dem Anspuch, nicht alles neu, aber vieles besser zu machen. Gut, damit hat auch ein Altbundeskanzler schon einmal Land gemacht, ohne selber die blühenden Landschaften seines Vorgängers zu ermöglichen. Aber derzeit scheinen Communities wie Ello, Medium und unzählige andere mit bekannten Ideen in einer neuen Verpackung mobil zu machen. Diese Verpackung soll jedoch nicht der alte Wein aus neuen Schläuchen sein, sondern versucht scheinbar ernsthaft, die Fehler, bzw. die Dreistigkeiten seiner Vorbilder, die in den Grundzügen ihrer Mechaniken zum Teil knallhart immitiert werden, auszubügeln.

Man wirbt mit Transparenz, Fairness, Nichtkommerzialität und Mitbestimmungsrecht und macht somit zumindest formal schon einmal so einiges richtig. Kein Mensch weiß, was nun die Zukunft bringen mag, wir alle wissen ja, die Masse ist träge und einmal Gelerntes wird nur ungern neu aufgezogen. Facebook mag in der absoluten Masse rückläufig sein, dennoch wird es diesen Molloch mit Sicherheit noch sehr lange auf sehr hohem quantitativen Niveau geben. Einfach weil alle es tun und das Konzept ja nicht ungekonnt darauf ausgelegt ist, ein lebenslanger Begleiter, ja ein Chronist des eigenen Lebens zu sein. Die anderen jedoch, Twitter, Wordpress, Blogger und Co., geliebt, etabliert aber in Deutschland im Vergleich zum Massenmedium Facebook immer noch eher eine Nische besetzend, haben jetzt die Chance, sich an der aufkommenden Konkurrenz zu messen, zu schleifen, zu öffnen, zu verbessern im Sinne ihrer User. 

Und so ist es unglaublich spannend gerade dabei zu sein, während sich das Alte mit dem Neuen im Konkurrenzkampf befindet. Ich bin kein wirklicher Bewahrer, ich bin allerdings höchst melancholisch. So bin ich hin und her gerissen zwischen der Angst, mein tägliches Twittern könnte irgendwann abgelöst werden durch etwas anderes. Andererseits brenne ich darauf zu sehen, wie sich die Neuen schlagen und wünsche Ihnen Glück und einen langen Atem.

Denn bei allem, was man im Netz doch so macht, bleibt eines gleich, überall. Wir, wir die User sind das Netz. Ohne uns ist sogar das Monster Facebook tot. Wir sind der Inhalt, das Leben, das Kapital. Wir müssen uns nur entscheiden, wollen wir das Kapital von anderen sein, deren Ideen und Philosophien wir nicht mit tragen, oder tun wir etwas für uns in unserem Sinne.


Beide Möglichkeiten bietet das Netz. Diese Selbstbestimmung sollten wir uns nicht nehmen lassen. Finde ich. Mag sein, dass Ihr das anders seht. Aber genau darum geht es ja.

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Edit:
Leser, die sich für den soeben erblickten Blogpost begeistert haben, würden sich gewiss auch für den hier begeistern. 

Mittwoch, 3. September 2014

Ich wünsche mir mehr ELLOquenz - eine frühe Beobachtung

Es ist ganz gewiss noch einen Hauch zu früh, um einem gerade im Werden befindlichen Medium wie ELLO schon seine Kritik über zu bürzeln, aber angedenk dieses dollen Sprichwortes "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" darf man ein paar wohl gemeinte Ratschläge an den Frischling überantworten. Und das nicht ohne begründete Hoffnung. 

Vorweg aber schnellerdings dies: 
Ich bin nach wie vor ein großer Freund von TWITTER und stehe gnadenlos treu zu dieser Plattform, da bislang nichts im Netz meinen Geist derart angeregt und meine Worte dieserart auf Vordermann gebracht hat. Zudem trifft man hier die spannendsten Menschen im Netz. Isso, as we say here. Ergo (auch ohne Therapie) möchte ich dieses große Ding gerne als solches erhalten - aber nicht zu jedem Preis. Wenn Twitter meint, es müsse nun endlich mal Geld verdienen, so ist dies ein legitimer Wunsch. Dennoch wird sich das Gros der schreibenden Twitterer (nicht die der schweigenden, denen ist das vielleicht sogar Wurst) nicht die eigene Timeline durch ungewünschten Content verwässern lassen, gar der Facebookisierung den Wasserkübel (erinnert Ihr Euch noch an den #Blumenkübel?) tragen. 

Aber ich schweife ab. Und zu ist das aber auch erlaubt, denke ich.
Nichts ist so heiß, dass man es nicht noch einmal kurz überbrühen könnte.



Dank einer netten Invitation der lieben +Wibke Ladwig bin ich nun seit lockeren zwei Tagen im Betaprogramm von ELLO - das sich, so kann man das durchaus sagen - als erste Unternehmung wirklich anschickt, uns Twitterern eine alternative Heimstatt anzubieten. Das mit dem ausgewiesenen Versprechen, weder jemals Daten sammeln, noch werbefinanziert sein und enden zu wollen. Und auch wenn das alles noch sehr rudimentär ist, kommt man als Frühadoptierter kaum drum herum sich einer gewissen Begeisterung hinzugeben. 

Trotz oder vielleicht gerade angesichts der noch unfertigen und wunderbar rohen Oberfläche atmet man derzeit ein wenig von dem, das etablierte Soziale Medien längst verloren haben - verlieren müssen. Auch ELLO wird diesen Charme nicht in diesem Maße aufrecht erhalten können, jedoch besteht hier - wie ehedem bei TWITTER - die Chance etwas mit zu gestalten. Die Admins zeigen sich offen und kommunikativ und die - einem zumeist ja doch irgendwie bereits von TWITTER bekannten - User befleißigen sich einer regen Anteilnahme, was Vorschläge angeht. 

Es ist diesbezüglich jetzt bereits augenscheinlich - angesichts der Rufe nach einer ähnlichen Funktion wie Favs, Retweets und DMs - dass die Meisten sich hier ein verschlanktes, wieder rudimentäres Twitter-Equivalent wünschen. Wenn Twitter hier etwas lernen kann, dann das was bereits vor Äonen schon von allen Social Media Experten kolportiert wurde: Das Zuhören. 

Keine Ahnung wohin es ELLO und TWITTER verschlägt, aber es ist derzeit eine arg spannende Angelegenheit diesen David vs. Goliath-Kampf zu beobachten. Wobei hier Goliath keineswegs als der ungeliebte Böse daher kommt. Vielmehr wünscht man ELLO eine behütete Kindheit und TWITTER, dass es die Kurve noch einmal bekommt.

Am Besten ist vielleicht, dass in dieser derzeit ungleich gewichteten, zweigleisigen Szene überhaupt keine Rede von Facebook ist. Wozu auch? 

Was ich mir wünsche ist Eloquenz. Und dass diese in gewohnt bescheidenem Maße obsiegen wird, ist mir jetzt bereits klar. Vielleicht braucht es in diesem Kampf ja auch gar keine Waffen, vielleicht siegt hier einmal - und das wäre doch mal was Neues - die Diplomatie. 

Lassen wir den Dingen ihren Lauf - man darf gespannt sein. 



EDIT: Leser, die diesen Blogpost gelesen haben, haben auch diesen Blogpost gelesen. 





Mittwoch, 20. August 2014

Nevermind - heilige Kühe und der eigene Geschmack

Ist richtig. Es gibt ein paar heilige Kühe über deren Existenz zu streiten sinnlos wäre.

Eine davon, die mich seit nunmehr 20 Jahren sabbernd verfolgt, ist der musikkulturelle Mythos "meiner Generation", wie es so schön heißt, "Nevermind" von Nirvana. Und über den muss ich mich nun dennoch einfach einmal streiten.

Seit Ewigkeiten muss ich alle Jahre wieder in den unterschiedlichsten Musikgazetten von den 50 oder 100 Platten für die Ewigkeit lesen. Musikjournalisten erzählen mir also beständig, welche Platten die größte Relevanz in der Musikgeschichte einnehmen, und setzen das spannenderweise direkt gleich mit dem Empfinden, der Einstellung, welche eine ganze Generation zu gewissen Platten haben soll. Also auch ich.

Bekloppt. Nur weil ich in einem Jahr geboren und in einem anderen musikalisch sozialisiert wurde, soll ich eine formatierte Meinung einnehmen, ja gleichgeschaltete Gefühle zur Musik, einer der subjektivsten Formen der Kunst überhaupt empfinden?

Ja. Ich gehöre natürlich zu denen, die genau wissen, wann und wo sie "Smells like teen spirit" zum ersten mal gehört haben. Ja. Ich war damals geflasht von dem Song und dem auf der Stelle erworbenen Album. Ja. Ich weiß um die musikhistorische Bedeutung dieses Albums und erkenne sie uneingeschränkt an. Aber da hört es dann auch schon auf mit Plattitüden und Gemeinsamkeiten mit dem steten Jubel über diese Aufnahmen. 

Zum einen weiß ich um sehr viele Alben vor "Nevermind", die musikalisch genau diese umstürzlerische Wirkung hätten erzielen, diesen Status damit erreichen und anstelle von Nirvana ihren Schöpfer hätten groß machen können, wenn sie einen Wirkungsfrontmann wie Kurt gehabt hätten. Zum anderen gab es "damals" rein musikalisch mannigfaltige Bewegungen, die dem Glamrock, dem Hairmetal, dem Classicrock und anderen gekünstelten Musikrichtungen schon längst den Kampf angesagt, und den Rang abgelaufen hatten. Nur waren die Protagonisten der besagten Bands zugegebenermaßen nicht wirklich tauglich für die präinternetären popkulturellen Presseerzeugnisse. Die Zeit war perfekt für einen von Selbstzweifeln geplagten jungen Mann, der in seinem Flanellhemd doch soviel ehrlicher daher kam, als die geschminkten Westküstenposer mit ihren wasserstoffblonden Königspudeldauerwellen.



Dummerweise kannte ich das grundsätzliche Prinzip bereits von Herrn Morrisson oder Herrn Lynott. Beide endeten tragisch und so war auch Cobains Tod absehbar. Und wie immer trug er zur Vollendung des Mythos auf traurige Art bei. 

Um es noch einmal klar zu stellen: ich mag und schätze "Nevermind" als wirklich tolle Platte, die einer Menge großartiger Musik das Tor in den Mainstream weit aufgestoßen hat. Ohne Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden, wären die 90er im Formatradio vermutlich wesentlich rockärmer verlaufen. Ich habe nur eben eine Vielzahl anderer Platten, die ich in einem persönlichen Ranking definitiv vor diese eine schieben muss. Mein Leben hat diese Scheibe trotz all ihrer kleinen Perlen eben nicht verändert. Ist ja sehr persönlich. Spannend ist nun, dass ich alleine für diese Aussage im Freundeskreis immer angesehen werde, als hätte ich auf dem Altar gerade Jesus verraten. Ähnlich ergeht es mir, wenn ich - bekennender Dave Grohl-Fan - sage, dass das Beste, das Dave Grohl künstlerisch passieren konnte, das - leider tragische - Ende von Nirvana war. 

Da fragt man sich halt schon, warum man derart angefeindet wird. Tocotronic sangen nur wenige Jahre nach "Nevermind" das schöne Lied "Es ist einfach Rockmusik". Und selten war ein Lied ehrlicher. Es war und es ist einfach Rockmusik. Klar, für mich persönlich bedeutet Musik, speziell die Rockmusik in all ihren, oftmals bis in die totale Spießigkeit konkurrierenden Spielarten hinein, alles. Ich kann aber unglaublich gut damit leben, dass es anderen schlicht egal ist. Denn genau das ist mir egal. 

Mich bereichert, was mich erbaut, nicht was andere goutieren. 

Und so ist es mit "Nevermind". Ich mag es sehr, wenn ich einen Song davon zufällig höre, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich die CD zuletzt aufgelegt habe. Das Fazit kann hier also eigentlich nur sein, dass jeder seine eigenen Platten für die Ewigkeit im Herzen trägt. Oder eben nicht. Das Wundervolle daran ist, es ist egal für alle anderen, aber es ist die Welt für Dich. Ich denke, Kurt würde mir hier zustimmen.

In diesem Sinne, auf Dich!


Samstag, 16. August 2014

Parallelwelten und die Menschen die sich vergessen haben

Vermutlich ist er es mal wieder.
Der Zeitgeist. Und er hat sich wieder einmal neu erfunden.

Derzeit plagt er uns alle mit der Tatsache, dass wir - jeder für sich - unzählige Leben parallel führen und der dazu gehörenden Überzeugung, dass man sich und seine Persönlichkeit in jeder einzelnen dieser von uns belebten Mikroversen bitte schön adäquat zu seinem Umfeld zu gestalten hat. Denn schließlich herrscht in jeder Miniwelt auch eine andere Erwartungshaltung dem einzelnen gegenüber vor. Und die muss ja nicht zwangsläufig mit dem übereinstimmen, was wir sind, sein wollen oder auch sein können.

Fakt ist, der moderne Mensch soll irre individuell sein, sich durch Persönlichkeit und Eigenständigkeit glänzend von der Masse abheben. Rebellisch und erfindungsreich. Zugleich soll er aber auch verlässlich und in einer Weise konform sein, dass er sich sozialverträglich in jedes System integrieren lässt. Der kreative Beamte, der anarchische Lemming, ein malender Boxer, der handwerklich begabte Philosoph. Einer, der hilft, wenn es brennt, der aber gleichzeitig den Funken in sich trägt, um den Brand auszulösen. Der Zeitgeist möchte das so.

Da ist der Mann der in seiner Partnerin natürlich die perfekte Hausfrau mit Hang zur romantischen Gemütlichkeit vorfinden möchte, wenn sie dafür nach dem täglichen Besuch im Fitness-Studio im Bett aber auch tabulos abgeht, wie Schmitt`s vervampte Katze und nebenher natürlich im Beruf erfolgreich ist, aber bitte nicht zu selbstbewusst oder gar in einer Führungsposition. Der perfekte Mann hingegen sollte letzteres für die moderne Frau natürlich schon sein und durch seine unersetzliche Arbeit folgerichtig auch ausreichend begütert, ein heißer, männlicher aber einfühlsamer Liebhaber, der jedoch auch - emotional begabt - die Kinder ins Bett bringt, unaufgefordert den Müll rausbringt und selbstverständlich den Garten pflegt, so wie sich selbst. Jeder Chef möchte selbstständig denkende Mitarbeiter mit enormer Sozialkompetenz und Durchsetzungsvermögen, außer wenn es um die eigenen Anweisungen geht, wohingegen der perfekte Chef aus Sicht der Angestellten eigentlich eher unsichtbar gewünscht wird, dazu allerdings natürlich die Begabung einer intelligenten Unternehmensführung mitbringen sollte mit der nötigen Dominanz gegenüber konkurrierenden Firmen.

Das könnte ewig so weitergehen. Es gibt nicht nur viele Parallelgesellschaften - es gibt derer unzählige! Verbinden wir mit diesem Begriff im Normalfall doch eigentlich stets das Thema Migration und den oftmals mangelnden Willen zur Integration, steckt für jeden von uns weitaus mehr dahinter. Leben wir doch tagtäglich, oft sogar gleichzeitig in verschiedenen Gesellschaften. Und das zum einen qua unserer sozialen Position, aber auch selbst gewählt.

Sportverein, Partei, Familie, Freunde, Firma, Clubs, Ehrenamt, Verkehrsteilnehmer, undundund. Diese Liste ist endlos fortzuführen, auch wenn sie von einem zum anderen latent divergiert.  

Und jede dieser Welten, die wir uns ausgesucht haben oder die uns ausgesucht hat oder mit der wir schlicht verbunden sind, hat eine ganz bestimmte Erwartungshaltung an uns. Eine Vorstellung, wie wir zu sein und uns zu benehmen haben. Diese Vorstellung ist mitunter durchaus einengend für das eigene Selbstverständnis, wie man denn sein möchte, wie man denn sein muss, um sich wohl zu fühlen in seiner Haut.

Das soll an dieser Stelle überhaupt kein Gejammer über diesen Umstand sein. Ich versuche nur mir selber zu erklären, warum ich gerade in den letzten Jahren immer mehr Menschen kenne, die diese Erwartungshaltungen nicht mehr erfüllen können, obwohl sie wollen. Warum sich die Depressionserkrankungen derart häufen, auch und gerade bei Menschen, die bisher gar nicht unbedingt klassisch depressiv waren.

Egal um welchen Bereich es geht. Der Chef erwartet von einem einzelnen Charakter ein anderes Verhalten, als der Partner, die Kinder, die Eltern, die Freunde, die Kumpels, die Kollegen, die Mannschaftskameraden, die .... aber dazu wird natürlich wie selbstverständlich noch der Anspruch gepackt, dass man sich nicht verbiegen lassen, dass man ganz man selber sein soll.

Klar gibt es diejenigen, die das mühelos schaffen. Die Mr. Cobains "Come as you are" eingeatmet und dazu noch das Glück haben, auf ein Umfeld zu treffen, das es ähnlich sieht. Ein Umfeld, dass ihn oder sie akzeptiert wie er oder sie wirklich ist. Aber es gibt eben auch jene, die sich so sehr verbiegen, um allem und jeden gerecht werden zu können - sei es aus persönlichen, familiären, psychischen, wirtschaftlichen oder sonst welchen Gründen - dass von ihnen selbst am Ende des Tages nicht mehr sehr viel oder gleich gar nichts mehr übrig ist. Die sich so sehr damit verausgaben, aufzehren, von der einer Rolle in dem einem Mikrokosmos in die nächste Rolle des nächsten Mikrokosmosses zu schlüpfen, dass sie vielleicht sogar vergessen haben, wie sie im Grunde selber sind und wer sie sind. Menschen die sich vergessen haben.

Wenn es soweit gekommen ist, ist es bereits zu spät. Dann hat er wieder gewonnen, der Zeitgeist. Aber ab und an, erkennen wir ihn ja auch rechtzeitig. Und ich meine, es ist dann an der Zeit zu sagen:
Fick Dich Zeitgeist!

Ändern kann das im Grunde eh nur jeder selber, aber vielleicht achten wir einfach mal ein wenig aufeinander und legen nur die Erwartungshaltung an andere Menschen an, die wir selber auch u erfüllen bereit sind. Vielleicht aber auch einfach etwas weniger als das. Nicht jeder kann das gleiche leisten. Und viele von denen, die das Gefühl haben, nicht mehr alles leisten zu können, steigen einfach aus.

Und mir persönlich steigen einfach gerade zu viele aus.







Samstag, 9. August 2014

Ich brauche keine Angst, ich habe Ustinov

Ich schrieb einmal vor über zwei Jahren auf diesem Blog den kurz gehaltenen Text "Ich habe nie wieder Angst!"

Es ging um eine moralische Innensicht und eine ganz persönliche Antwort auf die Frage, in wie weit man sich von äußeren Einflüssen das eigene Leben und Wohlbefinden durch künstlich eingeredete Angst versauen lässt. Die Antwort war damals so knapp wie klar und gipfelte in dem Satz: "Aber ich, ich habe nie wieder Angst!"

Nun bin ich von Natur aus leider ebenso wenig ein komplett angstfreier Mensch, wie jeder andere unter Euch auch. Aber mich persönlich beruhigt eine Art geistiges Mantra, welches mir - praktischerweise ohne es beständig aufsagen zu müssen, um es zu glauben - einmal zurecht gelegt, den unglaublich beruhigenden Dienst erweist, beinahe auf ewig zu wirken. 

Die Sache ist im Grunde ja auch glasklar. Was soll mir schon den Tag versauen können, wenn ich es erst gar nicht an mich heran kommen lasse, bzw. wenn ich dem jeweiligen Thema gegenüber eine Position einnehme und diese auch mit Verve vertrete, die in sich fest und wenig wankelmütig ist. Das alte Credo von Peter Ustinov, der meine Lieblingsdefinition eines Optimisten aus dem Ärmel schüttelte mit dem Satz: "Ein Optimist ist jemand, der genau weiß, wie traurig die Welt sein kann, während ein Pessimist täglich neu zu dieser Erkenntnis gelangt."

Nun pflege ich des morgens als allererstes einen nachrichtenlastigen Radiosender einzuschalten, um mich jenseits von Twitter mit einem gewissen Grundwissen all dessen zu versorgen, was sich auf der Welt aktuell zuträgt, und - genau das ist vielleicht der wenig zugegebene aber doch relevante Aspekt - was davon mich in meiner heilen, gepflegten, hermetisch luxuriösen Welt in irgendeiner Weise betreffen könnte.

Bezogen auf meinen Blog und meine Haltung von 2012 kann ich natürlich ganz sicher sagen, dass ich keine Angst vor den Herren (ja, es sind ausnahmslos Herren) Wladimir Putin, Petro Poroschenko oder Barrack Obama, Baschar al-Assad oder Dschawad al-Maliki oder auch Abu Bakr al-Baghdadi, Benjamin Netanjahu oder Mahmud Abbas habe. Der eine mehr, der andere weniger, sind sie doch allesamt aus genau dem menschlichen Holz geschnitzt, das Macht als oberste Direktive, Kontrolle über andere Menschen als erstrebenswert, wahrscheinlich sogar staatstragend ansieht und nicht davor zurück schreckt, Schicksale, Menschenleben zu opfern, wenn es denn der eigenen Sache dient. Und diese eigene Sache, ist so was von unübertroffen subjektiv definiert, dass man - ohne selber betroffen zu sein zu müssen - in hohem Bogen kotzen möchte.

Angst ist hier aber auch nicht der zentrale Punkt. Wer vor diesen Leuten wirklich und im Wortsinne Angst hat, hat ein ganz anderes Problem (Hätten Sie etwas Angst gehabt, nachts in einer kleinen Gasse Hitler alleine zu begegnen?). Aber - und das ist der Punkt, der mir Sorgen bereitet - diese Menschen, diese An-"Führer" (und hier kann man durchaus einmal ganz bewusst und provokant auf jeden einzelnen der hier genannten das urdeutsche Wort "Führer" anwenden), haben einen derartigen Einfluss, eine derartige Wirkung auf andere Menschen, auf Gruppierungen, auf ganze Bewegungen, die sich dank des menschlichen Strebens nach Gemeinschaft sogar unabhängig von geopolitischen Gebieten überall auf der Welt ausbreiten können, wie ein Geschwür, wie eine Epidemie, dass es einem denkenden, freiheitsliebenden Menschen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Nicht die Angst wohlgemerkt. Den Zorn! 

Ich weiß, die Steinzeit-Terroristen der IS, formerly known as ISIS, möchten natürlich nur all zu gerne (das ist ja schließlich der Urwunsch jedes herkömmlichen Terroristen), dass man unbändige Angst hat vor Ihnen und Ihren Greueltaten. Und derer haben sie in der Tat in arg kurzer Zeit bis heute derartig viele verbrochen, dass man ihnen geradezu wünschen würde, dass es ihren Gott, in dessen Namen Sie morden, vergewaltigen, sich Aufführen wie die letzten Herrenmenschen, das es diesen Gott wirklich gäbe, denn dann hätten sie in der Tat wenig zu lachen, wenn die Abrechnung käme. Im Grunde - gerade für einen Atheisten - ein sehr schöner, tröstlicher Gedanke.   

Obama und Putin möchten - arg menschlich - jeder auf ihre eigene Art, geliebt werden - gerade letzter könnte ruhig mal einen Freudianer zu Rate ziehen. Assad hat es erst gar nicht anders gelernt, Erdogan ist ein tumber Narziss erster Kajüte, der Freiheit jenseits seines väterlichen Gustos für ein Sakrileg hält, die religiöse Fraktion der Anführer erfreut sich stets an massenverblendeter Meinung, dass Sie dem Propheten das Wort reden und ihm posthum und im Namen Allah, pardon aller, zum "Recht" verhelfen, obwohl sie im Grunde doch auch nur ganz oben auf dem Misthaufen mit dem Fähnlein winken wollen. Jeder hat so sein kleines Grundproblem, welches ihn gewiss um den Schlaf aber auch durch den Tag bringt.

Irgendwie möchten alle, dass man sie versteht, dass man Respekt, ja oft genug in der Tat gar Angst vor Ihnen hat - beides verwechseln sie ohnehin ständig. Angst und Respekt. Ich habe vor sehr vielen Menschen Respekt, aber nur vor sehr wenigen Angst.

Und während ich angesichts der Horrormeldungen aus aller Welt - und machen wir uns da mal nichts vor, es ist gerade überproportional heftig und alarmierend - allmorgendlich also bereits im Bad dem Trübsinn verfallen möchte, schleicht sich immer wieder dieser Yoda gleiche alte Mann in mein Gedächtnis. Es ist, als wohnte er in meinem Blutkreislauf. Und wenn es so ist - er darf mietfrei bleiben auf alle Zeiten. Er lächelt, aber nicht provozierend sondern gütig. Weise. Einfach freundlich. Aber mit einem ziemlichen Schalk im Nacken.

Dieser Mann besitzt sogar 10 Jahre nach seinem weltlichen Ableben eine natürliche Autorität, die jede Angst im Keim erstickt. Ein Umstand, den unsere Titelantihelden in diesem Blog gar nicht erst verstehen würden. Autorität ohne Angst? Eine imperative Sympathität? Tja, meine Herren, merken Sie etwas? Sie haben jetzt schon verloren. Und stellt man sich diesen Meister Peter leiblich an seiner Seite vor, ist es, als wenn beständig jemand neben Dir steht und dem übelsten Menschenschinder unbewaffnet aber furchteinflößend ins Gesicht lächelt und fragt "Na und? Geht`s Dir jetzt besser? Hast Du`s allen gezeigt?"

Das Geile ist: es geht hier gar nicht mehr um Angst, denn ich bin gar nicht unbewaffnet, selbst wenn ich nackt vor Euch stehe. Es geht hier um Gelassenheit, um Humor - ja, scheiße noch eins, es geht hier sogar darum zu lächeln. Aber vor allem geht es schlicht und einfach darum, andere Menschen sein zu lassen, wie sie sind. Und nicht, wie Ihr sie haben möchtet. Glaubt doch einfach was Ihr wollt, aber lasst uns - uns alle, alle, alle - damit ein für alle mal in Ruhe.

Und so, liebe Fanatiker, liebe Extremisten, liebe Führernachläufer, liebe Fremddenkenlasser, liebe IchhabeselberkeineIdeenaberichmöchteeinemFührernachhechelns, stehen wir abermals da - Angesicht zu Angesicht. Ihr glaubt an die Angst, die Ihr schürt - ich glaube, genau diese Angst tritt Euch am Ende ganz gewaltig in den Arsch.

Beide haben wir unseren Glauben, der eine hat einen erfundenen, der andere einen gefühlten. Sucht Euch aus, wer von uns was sein soll.

Möglich dass man es Waffengleichheit nennen kann.
Ihr habt Euren Hass, ich habe Ustinov im Herzen.